Der Bundessprecher der konservativen WerteUnion, Ralf Höcker, legt seine politischen Ämter nieder – nach eigenen Angaben aufgrund von Bedrohungen. "Mir wurde vor zwei Stunden auf denkbar krasse Weise klar gemacht, dass ich mein politisches Engagement sofort beenden muss, wenn ich keine 'Konsequenzen' befürchten will", schrieb der Kölner Rechtsanwalt auf Facebook. "Die Ansage war glaubhaft und unmissverständlich. Ich beuge mich dem Druck und lege mit sofortiger Wirkung alle meine politischen Ämter nieder und erkläre den Austritt aus sämtlichen politischen Organisationen."

Höcker führte aus, er werde schon lange verleumdet, bedroht, unter anderem mit dem Tod. Die Kölner Antifa habe gegen ihn persönlich demonstriert. Als Anwalt habe er "ein dickes Fell". Was er "allerdings heute erlebt habe, toppt alles". Die Kanzlei Höcker vertritt auch die AfD. Unter anderem verfasste sie die 46-seitige Klageschrift gegen den Bundesverfassungsschutz, die vor wenigen Wochen beim Verwaltungsgericht Köln eingereicht wurde und ZEIT ONLINE vorliegt. Der Verfassungsschutz hatte die AfD zum "Prüffall" und den nationalistischen Flügel um Björn Höcke zum Verdachtsfall erklärt, was einer faktischen Beobachtung entspricht.

Der Vorsitzende der WerteUnion, Alexander Mitsch, bestätigte den Rückzug Höckers. "Ich kann nachvollziehen, dass er unter dem Druck nicht mehr weitermachen möchte und bedauere und verurteile zutiefst, dass solche Dinge in Deutschland möglich sind", sagte Mitsch. Zuvor hatte der Deutschlandfunk über Höckers Rücktritt berichtet.

Die WerteUnion sieht sich als Vertretung der konservativen Strömung in der Union, ist aber keine offizielle Parteigliederung. Nach Mitschs Angaben hat sie etwa 4.400 Mitglieder. Sie ist als Verein organisiert. Die WerteUnion steht zurzeit auch in der Union stark in der Kritik. Ihr wird Nähe zur AfD vorgeworfen, was die Gruppe zurückweist. Zuletzt hatten sich mehrere CDU-Politiker dafür ausgesprochen, Mitglieder der ultrakonservativen Gruppe wegen deren Zuspruchs zur Wahl des FDP-Politikers Thomas Kemmerich zum Thüringer Ministerpräsidenten aus der Partei zu drängen. Kemmerich war mit Stimmen von FDP, CDU und AfD gewählt worden. Mitsch hatte zudem bekannt gemacht, dass er 2014 20 Euro und 2016 noch einmal 100 Euro an die AfD gespendet habe. Er habe damals aus Verzweiflung über den Zustand seiner CDU sogar zeitweise überlegt, der AfD beizutreten, erklärte er.

Unionsfraktionschef Ralph Brinkhaus wirft Teilen der WerteUnion eine fehlende Abgrenzung nach rechts vor. "Wer diese Abgrenzung (...) nicht vornimmt, ist bei uns nicht richtig", sagte der CDU-Politiker der Saarbrücker Zeitung. Der Vorsitzende der Jungen Union, Tilman Kuban, stellte die CDU-Mitgliedschaft von Mitsch wegen Spenden an die AfD infrage. "Dieses Verhalten kann man nicht tolerieren, und von daher muss sich Herr Mitsch fragen, ob er seinen Platz noch in der CDU hat", sagte Kuban bei RTL.

Viele Funktionäre und Abgeordnete aller Bundestagsparteien erhalten Drohungen, auch viele Bürgermeister, teils rechtsextrem motiviert. AfD-Politiker und ihre Büros sind wiederum oft Ziel Drohungen und Sachbeschädigungen – häufig ermittelt die Polizei dann im politisch linken Milieu von Rechtsextremismusgegnern.