Unionsfraktionschef Ralph Brinkhaus (CDU) hat seinem Parteikollegen Friedrich Merz geraten, die Ambitionen auf den Parteivorsitz mit Teamgeist zu verfolgen. "Wenn jemand sagt, er möchte Verantwortung übernehmen, dann heißt das auch, dass er Verantwortung als Nummer zwei oder Nummer drei übernehmen kann", sagte Brinkhaus in einem SWR-Interview. Wenn jemand wie Merz bereit sei, in der Partei Verantwortung zu übernehmen, dann gehe das nicht nur dann, wenn er "ganz, ganz vorne" steht.

"Für uns gilt folgende Reihenfolge: erst das Land, dann die Partei und dann die Person, die eigene Person", entgegnete Brinkhaus auf eine Frage zu Merz' Ambitionen. "Und da ist es so, dass jeder, der sagt, er möchte Verantwortung übernehmen, sich also diesem Dreiklang dann entsprechend unterordnen muss. Und wenn der Platz dann auf Nummer zwei oder Nummer drei ist oder irgendwo im Team ist, dann ist das auch gut." Andererseits gelte das nicht für die Union. "Und insofern, denke ich mal, werden wir dann noch interessante Diskussionen haben."

Merz gilt als einer der möglichen Nachfolger für CDU-Chefin Annegret Kramp-Karrenbauer, die am Montag ihren Verzicht auf die Kanzlerkandidatur und den Rückzug von der Parteispitze erklärt hatte. In der kommenden Woche will sie erste Gespräche mit potenziellen Nachfolgern führen. Nach Informationen der Deutschen Presse-Agentur ist am Dienstag ein Treffen mit Merz geplant.

Entschuldigung für "Gesindel"-Äußerung

Merz entschuldigte sich am Freitag für seine "Gesindel"-Äußerung im Bezug auf die AfD. Er habe damit "keineswegs gewählte Abgeordnete oder Wählerinnen und Wähler irgendeiner Partei gemeint", twitterte Merz. In einer Rede hatte er am Donnerstag unter anderem mit Blick auf rechte Parteien gesagt: "Wenn ich dazu etwas beitragen kann, dass dieses Gesindel wieder verschwindet, dann leiste ich diesen Beitrag." Schon im weiteren Verlauf der Veranstaltung hatte er diesen Ausdruck zurückgenommen.

Neben Merz gelten auch Bundesgesundheitsminister Jens Spahn und Nordrhein-Westfalens Ministerpräsident Armin Laschet als mögliche Kandidaten. Laut einer neuen Umfrage des Meinungsforschungsinstituts Infratest dimap im Auftrag der ARD wäre Merz derzeit allerdings der aussichtsreichste potenzielle Kanzlerkandidat der Union. Demnach sind 40 Prozent der Befragten der Meinung, dass der 64-Jährige gut geeignet wäre. 42 Prozent sind der gegenteiligen Auffassung. Bayerns Ministerpräsidenten und CSU-Chef Markus Söder sehen 31 Prozent als geeigneten Kanzlerkandidaten. Laschet kommt auf 30 Prozent, Spahn hält jeder Vierte (24 Prozent) für einen guten Kanzlerkandidaten.