Schleswig-Holsteins Bildungsministerin Karin Prien (CDU) hat von ihrer Partei eine Neubewertung der Linken gefordert. "Unser Äquidistanz-Mantra ist die Wurzel des Übels", sagte Prien dem Spiegel mit Blick auf die Beschlusslage der CDU. Danach ist jede Kooperation sowohl mit der Linken als auch der AfD untersagt.

"Wir werden das so nicht durchhalten", sagte Prien. Sie sei überzeugte Antikommunistin, aber "einen respektablen Ministerpräsidenten wie Bodo Ramelow mit einem Herrn Höcke (Thüringens AfD-Chef Björn Höcke, Anm. d. Red.) gleichzusetzen, ist eine politische und historische Verzerrung", sagte Prien. "Diese Realität hätten wir viel früher zur Kenntnis nehmen müssen."

Nach der Landtagswahl in Thüringen hatte die CDU jegliche Kooperation mit der Linken und Ministerpräsident Ramelow abgelehnt, dann aber am Mittwoch auch mit den Stimmen der AfD den FDP-Kandidaten Thomas Kemmerich zum Ministerpräsidenten gewählt. Vor Prien hatte bereits der Kieler Regierungschef und CDU-Landesvorsitzende Daniel Günther betont, dass es keine Äquidistanz von der CDU zur Linken und zur AfD gebe.

Einer aktuellen Forsa-Umfrage zufolge wäre die CDU bei einer Neuwahl in Thüringen aktuell größter Verlierer und müsste Verluste von fast 10 Punkten auf zwölf Prozent hinnehmen. Die Linkspartei könnte sechs Prozentpunkte gewinnen und käme somit auf 37 Prozent. Für die SPD würden demnach 9 Prozent und für die Grünen 7 Prozent stimmen. Damit käme der abgewählte Ministerpräsident Bodo Ramelow (Linke) auf eine regierungsfähige Rot-Rot-Grün-Mehrheit. Auch die AfD würde leicht auf 24 Prozent zulegen. Die FDP würde mit vier Prozent den Einzug ins Parlament verpassen.