Im Fall einer Neuwahl in Thüringen würden Linkspartei, SPD und Grüne einer Umfrage zufolge eine absolute Mehrheit von 53 Prozent erreichen. Das hat eine Befragung durch das Forschungsinstitut forsa im Auftrag von RTL/n-tv ergeben. Rot-Rot-Grün würde demnach gegenüber der Wahl im Oktober zulegen. Die FDP würde mit vier Prozent den Einzug ins Parlament verpassen.

Die Linkspartei könnte sechs Prozentpunkte gewinnen und käme somit auf 37 Prozent. Für die SPD würden demnach 9 Prozent und für die Grünen 7 Prozent stimmen. Damit käme der abgewählte Ministerpräsident Bodo Ramelow (Linke) auf eine regierungsfähige Mehrheit. Auch die AfD würde leicht auf 24 Prozent zulegen. Die CDU wäre größter Verlierer und müsste Verluste von fast 10 Punkten auf 12 Prozent hinnehmen.

Mit 72 Prozent gaben fast drei Viertel der Befragten an, dass der FDP-Kandidat Thomas Kemmerich seine Wahl zum Ministerpräsidenten mithilfe der AfD nicht hätte annehmen sollen. Eine Mehrheit in Thüringen hätte gern den alten Ministerpräsidenten wieder: 65 Prozent bedauern der Umfrage zufolge, dass Ramelow nicht mehr Regierungschef ist. Wenn die Thüringerinnen und Thüringer ihren Ministerpräsidenten direkt wählen könnten, würden sich 64 Prozent für Ramelow entscheiden.

Das forsa-Institut befragte am Donnerstag 1.003 Menschen in Thüringen. Der Fehlerbereich wurde mit plus/minus drei Prozentpunkten angegeben.

Über die Unsicherheiten von Umfragen

Repräsentative Umfragen unterliegen immer Fehlern. Man kann davon ausgehen, dass der tatsächliche Wert mit hoher Wahrscheinlichkeit in einem Bereich von einem bis drei Prozentpunkten über oder unter den letztlich angegebenen Messwerten liegt. Den Korridor dieses statistischen Fehlers zeigen wir ab sofort in unseren Grafiken zu Wahlumfragen.

Die Ergebnisse basieren immer auf Stichprobenbefragungen. Diese decken in der Regel nur spezielle Teile der Bevölkerung ab (zum Beispiel Menschen mit Festnetz-Telefonanschluss oder Internetnutzer). Einige potenzielle Teilnehmer sind ablehnend und wollen erst gar nicht befragt werden. Fragen werden mitunter auch falsch verstanden und nicht immer aufrichtig beantwortet. Zum Beispiel auch in Reaktion auf vorangegangene Umfragen. Um jedoch ein allgemeines Meinungsbild über alle Bevölkerungsgruppen hinweg zu berechnen, müssen die Demoskopen fehlende Messwerte und vermutete Ungenauigkeiten ausgleichen und die vorliegenden Zahlen neu gewichten. Diese (in der Regel nicht transparenten) Formeln unterscheiden sich in den Instituten und führen daher zu unterschiedlichen Aussagen.

Umfragewerte sind immer Momentaufnahmen. Mehr als eine grobe Tendenz für ein Meinungsbild lässt sich daraus nicht ableiten. Selbst wenn die Aussagen und Berechnungen zum Veröffentlichungszeitpunkt der Umfrage nahe an der Realität liegen, ist immer noch offen, ob die damals befragten Wähler zum Beispiel später tatsächlich ihre Stimme abgeben oder sich kurzfristig umentscheiden.

Weitere Hintergründe über unseren Umgang mit Wahlumfragen finden Sie in unserem Transparenzblog Glashaus.

Thüringen - "Wir erwarten einen Kandidaten, der nicht spaltet" CDU-Chefin Kramp-Karrenbauer fordert eine schnelle Stabilisierung der Lage in Thüringen. Neuwahlen seien dafür der klarste Weg. © Foto: GettyImages