Mit verschränkten Armen steht Marian Schreier auf einem Sprungturm im Freibad. Er trägt einen grauen Anzug, weißes Hemd, weiße Sneaker. Seine Haare sind ordentlich gescheitelt und gegelt. Die Kamera zoomt raus. In an die FDP erinnerndem Magenta wird sein Name eingeblendet, dann sein Slogan: "Der Junge kann das." Die beschriebene Szenerie ist das Ende von Schreiers Wahlkampfvideo. Der "Junge" möchte Oberbürgermeister von Stuttgart werden.

Kommunale Wahlen sorgen selten für deutschlandweite Schlagzeilen. Doch wenn die Stuttgarterinnen und Stuttgarter an diesem Sonntag über ihr neues Stadtoberhaupt abstimmen, wird viel Aufmerksamkeit auf dem Abschneiden des 30-jährigen unabhängigen Kandidaten liegen. Marian Schreier ist der Einzige, der einen CDU-Oberbürgermeister noch verhindern kann. Gleichzeitig wird ihm vorgeworfen, er habe sich durch unfaire Wahlkampfführung in den Vordergrund gedrängt, er sei Karrierist, habe ein zu großes Ego.