Grünen-Kanzlerkandidatin Annalena Baerbock hat die parteinahe Heinrich-Böll-Stiftung darum gebeten, einen "nunmehr knapp zehn Jahre zurückliegenden Sachverhalt" im Zusammenhang mit einem damaligen Promotionsstipendium "noch einmal zu betrachten". Anlass sind nach Angaben einer Grünen-Sprecherin Medienanfragen zu dem Stipendium, das Baerbock damals von der Stiftung erhalten hatte.
Ausgangspunkt war ein Bericht des Tagesspiegels vor wenigen Tagen. Demnach war Baerbock von April 2009 bis Dezember 2012 Promotionsstipendiatin der Böll-Stiftung. Laut dem Bericht habe sie eine Unterstützung von mehr als 40.000 Euro erhalten. Die Doktorarbeit hatte die Grünen-Chefin nicht abgeschlossen.
Die Bild-Zeitung berichtete außerdem, dass die Stiftung einer Förderrichtlinie des Forschungsministeriums unterliege. Demnach dürften Personen kein Stipendium bekommen, die einer "Erwerbstätigkeit von mehr als einem Achtel der regelmäßigen wöchentlichen Arbeitszeit" nachgingen oder "einer anderen Tätigkeit, die die Arbeitskraft des Geförderten überwiegend in Anspruch nimmt". Nun stand die Frage im Raum, ob Baerbock diese Kriterien erfüllt habe.
Die Sprecherin der Grünen verweist in ihrer Stellungnahme darauf, dass Baerbock in der Zeit als Brandenburger Landesvorsitzende der Grünen, Grünen-Vorstandsmitglied und als Sprecherin der Bundesarbeitsgemeinschaft Europa kein Gehalt bekommen habe. Erst 2011 habe sie vom Landesverband Brandenburg "im Sinne einer Aufwandsentschädigung 226,76 Euro pro Monat" bekommen und 2012 dann 400 Euro pro Monat. Ab 2013 habe es ein reguläres Gehalt gegeben, da habe Baerbock aber kein Promotionsstipendium mehr erhalten.
"Frau Baerbocks Hauptfokus lag in diesen Jahren auf der Arbeit an ihrem Promotionsvorhaben, das parteipolitische, im Kern ehrenamtliche Engagement fand insbesondere in den Abendstunden und an Wochenenden statt", erklärte die Sprecherin weiter. Zudem wies sie darauf hin, dass das Stipendium der Heinrich-Böll-Stiftung neben dem Promotionsvorhaben ausdrücklich intensives gesellschaftspolitisches Engagement erwarte, dies gehört zu den zentralen Auswahlkriterien.