Der Parteivorsitzende der Grünen, Omid Nouripour, hat die Protestmethoden der Gruppe Aufstand der letzten Generation kritisiert. "Wir sind die Klimaschutzpartei und wir sind froh um jede Art der Proteste, die friedlich verlaufen und gewaltfrei verlaufen und auch niemanden bedrohen", sagte Nouripour. "Das ist immer Rückenwind für uns und unsere Arbeit und unsere Politik." Für die Blockaden wichtiger Straßen fehle ihm aber das Verständnis. "In dem Augenblick, in dem kritische Infrastruktur angegangen wird, in dem Menschen bedroht werden und in dem Ultimaten ausgesprochen werden, hat das mit Demokratie nicht mehr viel zu tun", sagte der Parteichef.

Damit schloss er sich Äußerungen des Bundesagrarministers Cem Özdemir (Grüne) an. Dieser hatte davor gewarnt, dass Aktivistinnen und Aktivisten mit ihren Aktionen Unterstützung für den Klimaschutz gefährden könnten. "Ich rate dazu, sich wieder darauf zu besinnen, um was es eigentlich geht, sicher nicht darum, denen Steilvorlagen zu geben, die möglichst wenig Klimaschutz wollen", sagte Özdemir.

Gespräche mit der Gruppe schließt Nouripour nicht aus. Allerdings gehöre hierzu eine gemeinsame Grundlage. Diese bedeute, "dass man die Regeln einhält des demokratischen Miteinanders und dass der Respekt natürlich Ultimaten auch verbietet", sagte der Politiker. "Wenn das gewährleistet ist, gibt's auch Gesprächsmöglichkeiten."

Die Klimaaktivisten hatten zuletzt immer wieder Autobahnausfahrten unter anderem in Hamburg, Berlin und München blockiert. Am Montagmorgen war die Köhlbrandbrücke in Hamburg wegen einer ihrer Aktionen gesperrt worden: Demonstrierende hatten sich unter anderem mit Sekundenkleber und Bauschaum an der Straße festgeklebt. Zudem verschütteten sie mehrere Kanister Rapsöl.   

Der Fokus verschiebe sich weg vom Anliegen

Im Zentrum von Stuttgart legten die Aktivisten am selben Tag eine Hauptverkehrsader lahm. Auch in Freiburg kam es nach Polizeiangaben zu einer kurzzeitigen Blockade einer Hauptverkehrsstraße durch fünf Aktivisten der Gruppierung. Beamtinnen und Beamte verhinderten demnach, dass diese sich auf der Fahrbahn festklebten, und beendeten die Versammlung.

Die Grünenbundestagsabgeordnete Renate Künast schrieb auf Twitter, dass das Vorgehen der Klimaaktivisten etwas "Tragisches" habe. "Es läuft in eine Sackgasse und verschiebt den Fokus weg vom Anliegen – hin zur Frage, was ist noch legitim und was wird nur als Straftat wahrgenommen." SPD-Bundeschef Lars Klingbeil sagte, er sei generell gesprächsbereit. Seine Bereitschaft zum Dialog ende aber dort, wo strafrechtliche Grenzen überschritten würden.

Am vergangenen Wochenende hatte die Gruppe eine Ausweitung ihrer Aktionen auf Häfen und Flughäfen angekündigt, falls es bis zum vergangenen Sonntagabend keine konkreten Zusagen der rot-grün-gelben Bundesregierung zur Umsetzung eines Lebensmittelrettungsgesetzes geben sollte.