Der TÜV hält eine Wiederinbetriebnahme der stillgelegten Atomkraftwerke Brokdorf, Grohnde und Gundremmingen C sicherheitstechnisch für machbar und unbedenklich. "Diese Anlagen zählen zu den sichersten und technisch besten Kraftwerken, die es weltweit gibt. Sie waren und sind in einem exzellenten Zustand", sagte Joachim Bühler, geschäftsführendes Präsidiumsmitglied des TÜV-Verbands, der Bild. Die Wiederinbetriebnahme der 2021 abgeschalteten Meiler wäre "keine Frage von Jahren, sondern eher von wenigen Monaten oder Wochen".
"Die drei Kraftwerke befinden sich nach unserer Überzeugung in einem sicherheitstechnischen Zustand, der es möglich machen würde, sie wieder ans Netz zu nehmen", sagte Bühler. Seiner Ansicht nach wäre es möglich, die Laufzeit aller Atomkraftwerke in Deutschland – diese drei 2021 stillgelegten und die drei noch aktiven – um bis zu drei Jahre zu verlängern. Wie schnell die stillgelegten Kraftwerke
wieder ans Netz genommen werden könnten, sei "vor allem eine
Frage des politischen Willens".
Bund will Stresstest-Ergebnisse abwarten
Hintergrund der Debatte ist die Drosselung von Gaslieferungen aus Russland an
Deutschland. Erdgas wird vor allem zum Heizen eingesetzt. Es trägt aber
auch rund 10 Prozent zur Stromproduktion in Deutschland bei. Wenn man
länger auf Atomenergie setzen würde, könnte man also mehr Gas zum Heizen
nutzen.
Derzeit sind in Deutschland noch drei Atomkraftwerke am Netz: Emsland in Niedersachsen, Isar 2 in Bayern und Neckarwestheim 2 in Baden-Württemberg. Nach geltendem Recht müssen sie spätestens am 31. Dezember 2022 abgeschaltet werden. CDU und FDP sind für den Weiterbetrieb der Atomkraftwerke, die Grünen und die SPD bislang dagegen.
Der energiepolitische Sprecher der Fraktion forderte zur Klärung einen Atomgipfel im Kanzleramt. "Wie maximale Sicherheit gewährleistet werden kann und ob in Einzelfällen dafür auch kurzfristig neue Brennelemente benötigt werden, sollte die Bundesregierung in einem Kernenergiegipfel mit den Betreibern und Branchenverbänden klären", sagte Michael Kruse im Tagesspiegel.