Die Zahl der armen oder von Armut bedrohten Kinder in Deutschland ist nach Zahlen der Bundesregierung über die letzten Jahre deutlich gestiegen. Wie die Augsburger Allgemeine berichtet, lag die sogenannte Armutsgefährdungsquote im vergangenen Jahr bei 20,8 Prozent und damit auf dem höchsten Stand seit Jahren.
Die Zahl, die demnach aus einer Antwort des Bundesarbeitsministeriums auf eine Anfrage der Linksfraktion hervorgeht, sei der höchste Wert, der in
Auswertungen des Mikrozensus seit 2015 gemessen wurde. Damals habe die
Quote bei Kindern und Jugendlichen bei 19,7 Prozent gelegen, 2020 bei
20,4 Prozent.
Insgesamt sind nach Angaben des Statistischen Bundesamtes in Deutschland etwa 13 Millionen Menschen armutsgefährdet. Das entspricht 15,8 Prozent der Bevölkerung. Eine Person gilt laut EU-Definition als armutsgefährdet, wenn sie weniger als 60 Prozent des durchschnittlichen Einkommens der Gesamtbevölkerung zur Verfügung hat. Bei Haushalten mit mehreren Menschen wird jeder Person ein persönliches Äquivalenzeinkommen zugerechnet.
Dietmar Bartsch warnt vor verschärfter Lage
Linkenfraktionschef Dietmar Bartsch warnte wegen der aktuellen Lage vor
einer zusätzlichen Verschärfung der Situation für Millionen Kinder im
Land. "Mit der Inflation und den explodierenden Energiepreisen droht ein
weiterer massiver Anstieg der Kinderarmut",
sagte er der Zeitung. Bartsch forderte einen "Schutzschirm für Familien
in Deutschland" und "eine armutsfeste Kindergrundsicherung".
Bundesfamilienministerin Lisa Paus (Grüne) hatte bereits im August angesichts der steigenden Preise für Energie und Lebensmittel vor wachsender Kinderarmut gewarnt. Im Koalitionsvertrag der Ampel-Regierung ist eine neue Kindergrundsicherung geplant. Das Konzept soll bis Ende 2023 stehen.