Landtag und Landesregierung in Thüringen werden in ihrer öffentlichen Kommunikation künftig nicht gendern. Das beschloss eine knappe Parlamentsmehrheit in Erfurt am späten Abend. Die oppositionelle CDU-Fraktion hatte einen entsprechenden Antrag eingebracht, der heftig umstritten war und bei einer namentlichen Abstimmung 38 von 74 Stimmen erhielt. 36 Abgeordnete des Landtags hatten für gendergerechte Kommunikation gestimmt. Die rot-rot-grüne Minderheitskoalition hatte mit einem Gegenantrag noch vergeblich versucht, einen Kompromiss mit einer "Selbstverpflichtung zu einer respektvollen Kommunikation" zu finden. (Hier die Debatte im Livestream zum Nachschauen)

Der Linkenabgeordnete Christian Schaft warf der CDU vor, mit ihrem Antrag gegen die Verwendung einer geschlechtergerechten Sprache Stimmungsmache und einen rechten Kulturkampf zu betreiben, "wie man ihn sonst von der AfD-Fraktion erwarten würde". Linke, SPD und Grüne, die den Antrag heftig kritisierten, haben im Thüringer Landtag keine Mehrheit. Von 90 Sitzen entfallen auf Rot-Rot-Grün 42. Die Opposition aus AfD, CDU und FDP hat 48 Sitze.

Die AfD-Abgeordnete Corinna Herold hatte vor der Abstimmung angekündigt, dass ihre Fraktion den CDU-Antrag unterstützen werde.

CDU hält Gendern für "Eliteprojekt einer Minderheit"

Der CDU-Abgeordnete Christoph Zippel hatte den Antrag seiner Fraktion damit begründet, dass nach verschiedenen Umfragen eine Mehrheit der Menschen in Deutschland die "Gendersprache" ablehne, teilweise würde sie als Bevormundung empfunden. Gendersprache sei "ein Eliteprojekt einer kleinen Minderheit", sagte Zippel. Die SPD-Abgeordnete Cornelia Klisch bezeichnete die gendersensible Sprache als "legitimes Mittel, die Gleichheit der Geschlechter zum Ausdruck zu bringen". Die CDU verkenne, dass sich Sprache ständig weiterentwickle.

Staatskanzleiminister Benjamin-Immanuel Hoff (Linke) sagte, die Landesregierung halte sich an die Regeln, die unter anderem durch Gleichstellungsgesetze oder die Rechtsprechung gesetzt seien. Mit der geschlechtergerechten Sprache sei es wie mit der Frauenquote, sagte Hoff. "Sie muss erkämpft werden."

Beim Gendern geht es um einen geschlechterbewussten Sprachgebrauch, der die Gleichbehandlung aller Geschlechter und Identitäten ausdrücken soll. Verwendet werden unter anderem Gendersterne, Doppelpunkte, Unterstriche oder kurze Sprechpausen.