Die Zahl der in Deutschland als vermisst geltenden Flüchtlinge im Kindesalter hat laut einem Zeitungsbericht im Vergleich zum Vorjahr zugenommen. Zum Stichtag 1. Juni 2023 registrierten die Polizeibehörden insgesamt 333 ungeklärte Vermisstenfälle von Kindern bis einschließlich 13 Jahre, die als unbegleitete minderjährige Flüchtlinge zuvor Deutschland erreicht hatten. Das berichtete die Neue Osnabrücker Zeitung unter Berufung auf Angaben des Bundeskriminalamtes (BKA). 2022 seien demnach zum selben Stichtag 154 Kinder vermisst gewesen. 107 Fälle konnten später geklärt werden.

Nach Angaben des BKA würden Jugendämter oder Betreuer Anzeige erstatten, wenn Kinder aus der staatlichen Obhut verschwänden. In vielen Fällen würden die Vermissten selbstständig zu Angehörigen weiterreisen oder auch in ihre Heimat zurückkehren, berichtete die Neue Osnabrücker Zeitung. Es könne Jahre dauern, bis die Ermittlungsbehörden in Deutschland davon Kenntnis erhielten und den Fall abschließen könnten.

Datenlage laut Bundesregierung nur "eingeschränkt belastbar"

Laut dem Ende Mai von der Bundesregierung vorgelegten Bericht über die Situation von unbegleiteten ausländischen Minderjährigen war die Zahl der Vermissten in dieser Gruppe im Jahr 2016 mit rund 9.700 Fällen besonders hoch. In den darauffolgenden Jahren habe sich die Situation nach Einschätzung des BKA aber stark beruhigt. Bis 2020 fielen die Fallzahlen auf 1.500. Seither wird jedoch wieder ein Aufwärtstrend verzeichnet – mit 2.000 Fällen im Jahr 2021 und einem weiteren Anstieg auf eine nicht näher genannte Zahl im vergangenen Jahr. Dies sei "parallel zur starken allgemeinen Fluchtbewegung nach Deutschland" geschehen. 

Ein Großteil der vermissten Minderjährigen befindet sich laut dem Bericht in der Altersgruppe zwischen 14 und 17 Jahren. Mehr als 90 Prozent der Vermissten seien männlich.

Die Bundesregierung betont, dass die Datenlage "nach wie vor nur sehr eingeschränkt belastbar" sei. Eine genaue Erhebung der tatsächlichen Zahlen sei unter anderem aufgrund von Mehrfacherfassungen durch unterschiedliche Schreibweisen eines Namens und fehlender Personalpapiere nicht möglich.