AfD-Chef Tino Chrupalla geht weiterhin davon aus, dass auf ihn am Rande der Wahlveranstaltung in Ingolstadt vor einer Woche ein Anschlag verübt wurde. Bei einer Pressekonferenz legte Chrupalla nun Informationen zu einer Gewebeprobe vor, die seinen Angaben zufolge auf seine Veranlassung hin Ärzte eines Dresdner Klinikums am Oberarm entnahmen und untersuchten. Es handelte sich um die Stelle, an der Chrupalla einen Einstich erlitt, was auch aus einem Arztbrief hervorgeht, der die Ergebnisse einer vorangegangenen Untersuchung in einem Ingolstädter Krankenhaus enthält und den ZEIT ONLINE einsehen konnte. Chrupalla sagte zudem, es sei ein Blutfleck an seiner Kleidung gefunden worden. Die Staatsanwaltschaft Ingolstadt bestätigte dies.

Die Behörde äußerte sich insgesamt noch einmal zu dem Vorfall. Demnach konzentrierten sich die Ermittlungen "auch weiterhin auf die offene Frage, wann und auf welche Weise diese diagnostizierte Einstichverletzung des Herrn Chrupalla am rechten Oberarm im Rahmen der Wahlkampfveranstaltung am Theatervorplatz in Ingolstadt entstanden ist und wer diese verursacht hat". Derzeit würden weitere Zeugen identifiziert und vernommen, Videoaufzeichnungen gesichtet und Begutachtungen vorgenommen. "Bislang gibt es keinen Anfangsverdacht gegen konkrete Personen."

Den anfangs von Parteivertretern erweckten Eindruck, Chrupalla sei mit Gift angegriffen worden, wiederholte der AfD-Chef nicht. Ob es, wie in dem Ingolstädter Arztbrief erwähnt, eine "intramuskuläre Injektion mit einer unklaren Substanz" tatsächlich gab, ließ Chrupalla offen. Die Staatsanwaltschaft verwies auf weitere ausstehende Untersuchungsergebnisse von Blutproben vom Landeskriminalamt Bayern.

Die Behörde hatte nach dem Vorfall Ermittlungen wegen Körperverletzung gegen unbekannt eingeleitet und mitgeteilt, es lägen "keinerlei Erkenntnisse vor, dass Herr Chrupalla angegangen oder angegriffen wurde". Bislang nicht durch Zeugenaussagen erhärten ließen sich Schilderungen, er sei angegriffen worden. Jedoch bestätigt die Staatsanwaltschaft Ingolstadt Chrupallas Schilderung, dass es an seinem Oberarm einen Einstich gegeben hat.

Einstich von mindestens vier Millimetern

Wie er bei Pressekonferenz sagte, hat Chrupalla zwei Tage nach dem Vorfall sich im Städtischen Klinikum Dresden "den gesamten Einstich" am Oberarm entfernen und diesen pathologisch untersuchen lassen.

Den pathologischen Bericht legte er bei der Veranstaltung vor. Darin ist die Rede von einem "mindestens" vier Millimeter tiefen "Defekt" sowie von "entzündlichen Veränderungen". Weiter heißt es: "Abschließend sind die vorliegenden histologischen Befunde vereinbar mit einem hier bis in die tiefe Dermis reichenden Einstich/Stichkanal (mindestens 4 mm)." Der Stichkanal sei jedoch "eher untypisch" für einen Insektenstich.

Zu diesem Befund äußerte sich die Staatsanwaltschaft Ingolstadt noch nicht, da er der Behörde erst kurz vor Chrupallas Pressekonferenz zugeschickt worden sei. Das Schreiben werde aber in die Ermittlungen einbezogen, hieß es.

Blutfleck am rechten Arm

Chrupalla sagte außerdem unter Berufung auf Aussagen der Personenschützer des Bundeskriminalamts (BKA), die ihn beim Termin in Ingolstadt begleitet hatten, es sei dort ein Blutfleck an seinem rechten Arm festgestellt worden. Hemd und Jacke seien von der Polizei eingezogen worden. Die Überprüfung von Chrupallas Kleidung habe ergeben, dass es sich "um dessen eigenes Blut handelt", teilte die Staatsanwaltschaft Ingolstadt mit. "Diese Blutanhaftung korrespondiert nach derzeitiger Einschätzung wohl mit der diagnostizierten Einstichverletzung."

Der AfD-Chef schilderte auf Nachfrage noch einmal die Vorgänge am Rande der Wahlveranstaltung am vergangenen Mittwoch aus seiner Sicht und verwies dabei darauf, dass er dies auch so den Ermittlern gegenüber ausgesagt habe: Demnach wurde er bei seiner Ankunft nach dem Aussteigen aus dem Auto von Parteifreunden begrüßt. Kurz danach habe es Selfie- und Autogrammwünsche und weitere "Begegnungen mit jungen Menschen" gegeben – "auch mit Selfies, wo der Arm um die Schulter gelegt wurde". Er habe in dieser Situation nichts festgestellt, auch keinen Einstich. Sieben bis acht Minuten später habe er einen untypischen Schmerz im Arm bemerkt, dieser sei bis zum Ellenbogen hart geworden. Danach sei ihm relativ schnell schwindlig geworden. Er habe einen Brechreiz und starke Kopfschmerzen bekommen. Chrupalla wurde anschließend in ein Ingolstädter Krankenhaus gebracht und dort untersucht.

Die Ermittler hatten am Freitag erklärt, dass es bis dahin keine Erkenntnisse auf eine Vergiftung gebe. Staatsanwaltschaft und Arztbrief zufolge waren die bisherigen Untersuchungen des Bluts von Chrupalla sowohl im Krankenhaus als auch bei den Ermittlern unauffällig. Die Kriminalpolizei wollte aber noch weitere Zeugen vernehmen. Auch die endgültige Untersuchung der Kleidung Chrupallas sowie die Auswertung weiterer Beweismittel stand noch aus.