Am Rande der Agrarmesse "Grüne Woche" in Berlin haben Landwirte und Landwirtinnen und verschiedene Organisationen für eine nachhaltigere Landwirtschaft demonstriert. Nach Angaben der Veranstaltenden nahmen rund 8.000 Menschen teil. Mitglieder des Bündnisses Wir haben es satt! übergaben dabei eine Protestnote an Bundeslandwirtschaftsminister Cem Özdemir (Grüne).

Unter dem Titel "Ungerechtigkeit und Hunger stoppen – bäuerliche Rechte weltweit stärken" kritisieren sie darin unter anderem, ein aus ihrer Sicht zu zaghaftes Vorgehen der Bundesregierung bei der Agrarwende. So gebe es etwa bei der Planungssicherheit für Umstrukturierung und bei der Finanzierung für Umbauten zur besseren Tierhaltung dringenden Bedarf. Zudem wendet sich das Bündnis gegen die Abschaffung der Kennzeichnung und Risikoprüfung beim Einsatz von Gentechnik.

Özdemir nahm die Forderungen entgegen und warb gleichzeitig um Unterstützung der Demonstrierenden. "Helft mir, dass wir die Sachen mehrheitsfähig kriegen." Özdemir wies auch darauf hin, dass eine Anschubfinanzierung für den Tierhaltungsumbau und ein staatliches Tierhaltungslogo schon beschlossen worden sei. Andere Themen, die lange liegen geblieben seien, müssten jetzt angegangen werden.

Der Demonstrationszug zog am Mittag an der Parteizentrale der SPD, dem Finanz- sowie dem Landwirtschaftsministerium vorbei, bevor vor dem Bundeskanzleramt die Schlusskundgebung stattfand. An der Protestaktion waren erneut etliche Traktoren beteiligt.

Bündnis fordert "bunte Landwirtschaft" und starke Demokratie

Ähnlich wie bei den großen Protesten der vergangenen Wochen waren die Überbringer der Protestnote mit einigen Dutzend Traktoren angereist. In der Messehalle, vor der sie auffuhren, tagte zeitgleich eine internationale Agrarministerinnenkonferenz unter dem Vorsitz Özdemirs.

Zu dem Bündnis Wir haben es satt! gehören mehr als 60 Organisationen aus den Bereichen Landwirtschaft und Ernährung, Tier- und Umweltschutz, Menschenrechte und Entwicklungszusammenarbeit. Darunter sind auch die kirchlichen Hilfswerke Brot für die Welt und Misereor.

Nach eigenen Angaben sei ein Ziel, Motto "für eine gentechnikfreie, bäuerliche und umweltverträgliche Landwirtschaft" einzustehen. Allerdings gehen die Forderungen nach eigenen Angaben über eine nachhaltigere Landwirtschaft hinaus: Einer Sprecherin zufolge werden generell eine "bunte Landwirtschaft", weniger Bürokratie und die Stärkung der Demokratie gefordert.