Täglich attackiert Russland die Ukraine mit Drohnen: Iranische Kamikazeflieger vom Typ Shahed und sogenannte First-Personal-View-Drohnen, die aus dem Rennsport kommen, töten Soldaten und Zivilisten. Die Abwehr dieser unbemannten Flieger fällt den Ukrainern schwer. Aus München soll jetzt eine Abwehrmethode kommen, die den Verteidigern künftig helfen kann.
Balázs Nagy sitzt in einem Café in der Nähe des Münchner Hauptbahnhofes. Gemeinsam mit seinem Studienfreund Batuhan Yumurtacı hat er 2023 Tytan Technologies gegründet, ein junges Unternehmen, das Drohnen baut, mit denen gegnerische Drohnen vom Himmel geholt werden können. Am Vortag haben sie ihre Technik getestet und vor Militärs vorgeführt.
Beide Unternehmer wissen genau, was die Ukrainer brauchen. Zum Beginn ihres Start-ups reisten sie nach Kiew. Dort, wo ständig Sirenen tönen und jede Nacht eine Drohnenattacke möglich ist, haben sie mit ukrainischen Experten gesprochen, sich mit Soldaten ausgetauscht, um herauszufinden, wie sie den Menschen in dem angegriffenen Land am besten helfen können. "Das war eine intensive
Zeit mit Luftalarmen und Aufenthalten im Bunker", sagt Nagy über die Studien in der Ukraine.
Günstig, aber intelligent
Ihre Erkenntnis aus der Ukraine: Abfangtechnik muss nicht nur zuverlässig und effektiv sein, sondern auch günstig. Denn die Drohnen, mit denen Russland angreift, kosten oft nur wenige Tausend Dollar das Stück. "Wir haben uns entschlossen, eine Firma zu gründen, die modern, agil und schnell ist. Wir wollen zehnmal günstiger sein als herkömmliche Systeme", sagt Yumurtacı.
Er und Nagy setzen auf 3-D-Drucker und effektive Software: "Wir produzieren sehr kosteneffizient. Daher können sehr viele Abfangdrohnen bauen und testen." Noch sind die beiden Gründer dabei, Prototypen zu fertigen. Aber schon bald soll es erste Aufträge geben. Bundeswirtschaftsminister Robert Habeck hat sie neulich in ihren Firmenräumen besucht. Danach stieg das Interesse an Tytan Technologies spürbar an. "Unsere Vision ist, Europas größter Hersteller von Abwehrdrohnen zu sein", sagt Nagy. "Der Krieg in der Ukraine zeigt, wie wichtig unsere Entwicklung ist."
Auf künstliche Intelligenz und unbemannte Systeme setzen ebenfalls zwei weitere Unternehmen aus München. Quantum Systems baut Aufklärungsdrohnen, die eigenständig agieren können, um die Bediener am Boden zu entlasten. Der wichtigste Kunde der 2015 gegründeten Firma ist die ukrainische Armee. Sie hat schon Hunderte Modelle bei Quantum Systems beschafft. Die Kooperation mit den Ukrainern ist eng, ebenso der Austausch. Das läuft bei ARX genauso. Der Roboterhersteller beliefert die Ukraine mit seinen unbewaffneten Transport- und Aufklärungsgefährten.
Drohnen mit künstlicher Intelligenz (KI) setzen beide Seiten im Krieg in der Ukraine ein – bewaffnet und für die Aufklärung. "Einwegdrohnen – sogenannte loitering munitions – können heute eigenständig Zielsignaturen wie einen T-72-Panzer erkennen, verfolgen und bekämpfen", sagt Frank Sauer, Professor an der Bundeswehr-Universität in München und Experte für den KI-Einsatz beim Militär, im Gespräch mit ZEIT ONLINE. Dabei gehe es um automatische Objekterkennung.