Verbraucherschutz-, Fahrgast- und Umweltverbände haben mit Kritik auf die Preiserhöhung für das Deutschlandticket reagiert. Als richtig und notwendig bewerten hingegen Verkehrsunternehmen den Anstieg auf 58 Euro monatlich, den die Verkehrsministerkonferenz beschlossen hatte.

Die Preiserhöhung "schreckt fast die Hälfte der Menschen ab, die schon ein D-Ticket haben oder sich dafür interessieren", sagte Lena Donat von Greenpeace unter Verweis auf Umfragen. Ein höherer Preis beim "bislang erfolgreichsten Angebot für eine natur- und klimaschonende Mobilität" sei eine Entscheidung gegen moderne Verkehrspolitik. Statt Dienstwagen zu fördern, solle die Politik mehr Geld für das Deutschlandticket bereitstellen, forderte Donat unter Anspielung auf die Steuererleichterungen für Dienstwagen.

Bund und Länder sabotieren eigene Erfolgsprojekte

Die Bundesvorsitzende des Verkehrsclubs Deutschland (VCD), Kerstin Haarmann, warnte: "Eines der wichtigsten Projekte für die Verkehrswende droht zu scheitern." Die Bundesregierung untergrabe selbstgesteckte Verkehrsziele für die Schiene und sabotiere "ihre eigenen Erfolgsprojekte".

Statt den Ticketpreis zu erhöhen, sollten die Länder lieber Jugend- und Sozialtickets auf das 49-Euro-Ticket ausrichten und damit weitere Abos generieren, sagte Haarmann. Hamburg mache dies bereits. Der Umweltverband BUND bekräftigte unterdessen seine Forderung nach einem einheitlichen Sozialticket für maximal 29 Euro. Derartige Angebote gibt es bisher ebenfalls nur in einzelnen Bundesländern.

Preisspirale oder notwendiger Schritt?

Die Chefin des Verbraucherzentrale Bundesverbands (vzbv), Ramona Pop, warnte vor einer "Preiserhöhungsspirale in den kommenden Monaten". Statt höherer Preise bräuchten Verbraucher und Verbraucherinnen Verlässlichkeit. Mit 94 Prozent der Befragten einer vzbv-Umfrage fänden viele Menschen das Deutschlandticket grundsätzlich gut. Doch wünschten sich 81 Prozent einen stabilen Preis von 49 Euro pro Monat.

Auch der Vorsitzende des Fahrgastverbandes Pro Bahn, Detlef Neuß, warnte vor einem Attraktivitätsverlust des Angebots. "Wenn die Reisendenzahlen wegen zu hoher Kosten runtergehen, haben wir nichts gewonnen", sagte er der Rheinischen Post.

Der Verband Deutscher Verkehrsunternehmen (VDV) begrüßte hingegen die Preiserhöhung als "klugen, mutigen und notwendigen Schritt". Damit sei das Deutschlandticket im kommenden Jahr finanziell abgesichert, sagte VDV-Präsident Ingo Wortmann. Die Mehrkosten des Tickets würden so über die Zuschüsse von Bund und Ländern hinaus ausgeglichen.

Bund und Länder uneinig über Finanzierung

Der Vorsitzende der Verkehrsministerkonferenz, NRW-Verkehrsminister Oliver Krischer (Grüne), nannte die Preiserhöhung "maßvoll". Das Deutschlandticket bleibe weiterhin eine der "größten Entlastungsmaßnahmen der letzten Jahre". Krischers Ressortkollege in Schleswig-Holstein, Claus Ruhe Madsen (CDU), forderte einen Preismechanismus, um Anpassungen künftig zu automatisieren. Es könne nicht sein, dass "wir monatelang zusammensitzen, um zu diskutieren, ob es ein Euro mehr oder weniger sein soll".

Kritik an der Bundesregierung äußerte Niedersachsens Verkehrsminister Olaf Lies (SPD). Diese müsse mehr Geld bereitstellen. Die Verkehrsministerin von Rheinland-Pfalz, Katrin Eder (Grüne), äußerte sich ähnlich und verwies auf "alternative Finanzierungsmöglichkeiten". Für "dringend notwendige" Maßnahmen wie den Abbau klimaschädlicher Subventionen gebe es aktuell aber keine Mehrheit.

Das Deutschlandticket wird jeweils zur Hälfte von Bund und Ländern finanziert. Beide Seiten steuern dazu bisher jährlich jeweils 1,5 Milliarden Euro bei. Die Mehrkosten für das Ticket für die Verkehrsunternehmen liegen perspektivisch jedoch über den so verfügbaren drei Milliarden Euro.