Sechs frühere CDU-Politiker aus Sachsen haben Medienberichten zufolge die Parteispitze aufgefordert, mit der AfD das Gespräch zu suchen. "Rund 30 Prozent der Sachsen haben die AfD gewählt und der Respekt vor den Wählern fordert, auch mit den von diesen gewählten Abgeordneten zu reden", heißt es in dem offenen Brief, den die Bild-Zeitung und N-tv veröffentlichten.
"Wir brauchen Brückenbauer und keine Brandmauern", schreiben die CDU-Politiker, darunter frühere Minister und Landräte. Der politische Gegner dürfe, solange er keine Gewalt anwende, "nicht als Feind gesehen werden". Nur durch inhaltliche Auseinandersetzung ließen sich eventuelle Vorurteile und Scheinlösungen entlarven. Es brauche "eine neue politische Kultur des Miteinanders".
Gleichzeitig sprachen sich die Unterzeichner gegen eine langfristige Zusammenarbeit
mit SPD, Grünen und Linken aus. Die CDU könne "als Partei der Mitte auf
Dauer
nicht nur mit links von ihr stehenden Parteien zusammenarbeiten, ohne
ihre eigene freiheitliche und marktwirtschaftliche Identität zu
riskieren."
Kritik aus der CDU Sachsen
Unterzeichnet haben das Schreiben unter anderem der frühere Justizminister im Freistaat, Manfred Kolbe, und der frühere sächsische CDU-Generalsekretär Frank Kupfer. Was genau sie damit meinen, man müsse mit der AfD "reden", bleibt in dem Brief offen. Es könnten damit sowohl Sondierungsgespräche als Koalitionsverhandlungen gemeint sein als auch ein informeller Austausch.
Aus der sächsischen CDU gab es Kritik an dem Vorstoß. Der Leipziger Landrat Henry Graichen sagte dem MDR, sollte der offene Brief auf eine Regierungsbeteiligung der AfD abzielen, lehne er das Ansinnen ab. In der AfD gebe es viele Menschen, die die freiheitlich-demokratische Grundordnung und Teile des Grundgesetzes ablehnten.
Der frühere Landrat von Nordsachsen, Michael Czupalla (CDU), sagte demnach, der Brief sei "zu flach". Außerdem widerspreche er dem CDU-Wahlprogramm. Er forderte stattdessen Geschlossenheit mit dem amtierenden Ministerpräsidenten Michael Kretschmer.