Die Ausschreitungen deutscher Hooligans beim Spiel der Fußballnationalmannschaft in Bratislava gehen nach Ansicht des Fankoordinators Michael Gabriel von der Deutschen Sportjugend zu einem großen Teil auf das Konto von Gewalttätern aus dem rechten Spektrum. Gabriel forderte insbesondere ostdeutsche Länder und Städte auf, sich stärker für Fanprojekte zu engagieren. Die öffentliche Hand stehe dort nicht so hinter deren Arbeit, wie es wünschenswert wäre, sagte Gabriel.

Heinemann: Wenn Briten von kollektivem Furchtempfinden sprechen, dann benutzen sie das deutsche Wort Angst. Umgekehrt sprechen wir von Hooligans, wenn von Randalierern die Rede ist, die den Fußball benutzen, um ihr Mütchen zu kühlen. Das heißt nicht, dass Engländer, Waliser, Schotten oder Nord-Iren nicht auch manchmal gemeinsam Angst hätten, und es bedeutet leider auch nicht, dass Deutsche nicht für Krawalle während oder nach Fußballspielen sorgten - erst gestern wieder. In der Halbzeitpause des EM-Qualifikationsspiels Slowakei-Deutschland kam es zu Auseinandersetzungen zwischen deutschen Fußballanhängern und der Polizei. Mehrere Krawallmacher wurden festgenommen. - Am Telefon ist jetzt Michael Gabriel. Er ist Leiter der Koordinationsstelle Fanprojekte bei der Deutschen Sportjugend. Herr Gabriel, es gab Warnungen. Es gab die schlechten Erfahrungen vom Vorjahr. Dennoch haben die Randalierer den Weg nicht nur nach Pressburg, sondern ins Stadion nehmen können. Wie konnte das passieren?

Gabriel: Unsere Erfahrung ist - oder besser muss man sagen die Erfahrung bei Spielen der deutschen Nationalmannschaft insbesondere in den Ländern des früheren Ostblocks -, dass oftmals Leute dort hinfahren, wo der Fußball nicht im Mittelpunkt steht - Jogi Löw hat das gestern in einem Interview auch schön gesagt -, sondern die dort ihr Gewaltmütchen und auch ihre politischen Interessen vertreten wollen. Offensichtlich ist es so gewesen, dass man dort am Stadion Karten kaufen konnte, dass der slowakische Fußballverband Karten in den freien Verkauf gegeben hat und deswegen die Leute in das Stadion reinkommen konnten.

Heinemann: Hat die deutsche Seite da nicht gewarnt?

Gabriel: Doch, das haben sie schon, aber das ist natürlich immer relativ schwierig. Natürlich hat ein slowakischer Verband oder ein Verband allgemein ein Interesse, Karten zu verkaufen. Die wollen ja auch mit solchen Spielen Geld verdienen. Mit einer Praxis, dass man den Kartenverkauf schwieriger macht, löst man das Problem ja nicht. Die Leute sind tatsächlich trotzdem da. Sie wären dann vorm Stadion. Man hätte vielleicht außerhalb noch ein größeres Problem. Auf restriktiver Seite wird sehr, sehr viel getan. Es ist extrem schwer, als Fan der deutschen Nationalmannschaft zu Spielen der Nationalmannschaft zu kommen. Man muss sich registrieren lassen. Man darf nur fahren, wenn man koordiniert fährt mit den Fanbeauftragten der Vereine oder mit den Fanprojekten. Also das ist eine ziemliche Hürde.

Wir würden empfehlen, dass man versuchen sollte, Spiele der deutschen Nationalmannschaft im Ausland attraktiver zu machen, dass man mehr Leute einlädt, die richtige Fußballfans sind, damit einfach die Atmosphäre richtig ist. So haben die 300, 400 Leute, die da waren, eine extreme Aufmerksamkeit und dominieren die gesamte Atmosphäre rund um die Spiele der Nationalmannschaft mit den ganzen Auswirkungen, die jetzt auch medial aufkommen.

Heinemann: Herr Gabriel, in Großbritannien zum Beispiel ist vor sensiblen Spielen Schluss mit lustig. Die Behörden ziehen einfach die Reisepässe von Randalierern ein. Warum geht das in Deutschland nicht?