Im Zusammenhang mit der Studie der Friedrich-Ebert-Stiftung zur neuen gesellschaftlichen Unterschicht hat das SPD-Vorstandsmitglied Engelen-Kefer die Hartz-IV-Regelungen kritisiert. Sie hätten dazu beigetragen, die Armut zu vergrößern. Nun müssten vor allem die Unternehmen stärker in die Verantwortung genommen werden, um benachteiligte Jugendliche wieder in den Arbeitsmarkt zu integrieren, sagte die frühere stellvertretende DGB-Vorsitzende.

Simon: Acht Prozent der Bundesbürger, 6,5 Millionen Menschen, gehören zu einer neuen gesellschaftlichen Unterschicht. Bildungsgrad einfach, berufliche Mobilität gering, Aufstiegswillen wenig ausgeprägt. Das ist der Befund einer Studie der Friedrich-Ebert-Stiftung. In den neuen Bundesländern gehört danach jeder 5. dieser neuen Unterschicht an, in den alten Bundesländern jeder 25. Zwei Drittel dieser Menschen sind arbeitslos, ihr Haushaltseinkommen ist niedrig, kaum Wohneigentum, keine finanziellen Rücklagen, oft Schulden und nur wenig Rückhalt in der Familie und sie fühlen sich als Verlierer und vom Staat allein gelassen. - Am Telefon ist nun Ursula Engelen-Kefer, Mitglied im Vorstand der SPD und im DGB viele Jahre lang stellvertretende Vorsitzende. Guten Morgen!

Engelen-Kefer: Guten Morgen Frau Simon!

Simon: Frau Engelen-Kefer, diese neue Unterschicht in Deutschland, die die Friedrich-Ebert-Stiftung so feststellt, ist das eine unvermeidbare Entwicklung in schwierigen wirtschaftlichen Zeiten?

Engelen-Kefer: Nein. Ich glaube da ist eine ganze Menge hausgemacht und deshalb halte ich dies doch für ein Alarmsignal an die Politik und gerade auch an die Politik einer Großen Koalition, die ja die Mehrheiten hätte, um hier wirklich zu ändern.

Simon: Hausgemacht, was meinen Sie damit?

Engelen-Kefer: Ich meine damit zum Beispiel diese künstliche Ausweitung der geringfügigen Arbeitsverhältnisse, dieser so genannten 400-Euro-Jobs. Ich meine aber auch damit Hartz IV und die 1-Euro-Jobs, die damit verbunden sind. Da gibt es aber auch noch andere Dinge, zum Beispiel diese doch sehr starke Ausweitung der Ich-AGs, die allerdings jetzt ja gesetzlich zurückgedrängt wurde. Das alles hat dazu beigetragen, die Niedriglohnsektoren und die Armut auszuweiten.