Der ehemalige NATO-General Klaus Naumann hat das Fehlen einer gemeinsamen europäischen Verteidigungspolitik kritisiert. Wenn man in der NATO die USA bewegen wolle, dann müsse Europa mit einer Stimme sprechen. Naumann wies zudem auf die hohen Personalkosten der Bundeswehr hin. Dies gehe zu Lasten der Investitionen.

Heinemann: Gleich zwei Tagungen beschäftigen sich heute in Berlin mit Sicherheit. An der 5. Berliner Sicherheitskonferenz nimmt unter anderem Javier Solana teil, der EU-Beauftragte für die Außen- und Sicherheitspolitik, und die französische Verteidigungsministerin Michele Alliot-Marie. Gleichzeitig veranstaltet die Zeitung "Welt am Sonntag" das 17. Bundeswehrforum, zu dem wiederum unter anderem der deutsche Ressortchef Franz-Josef Jung eingeladen ist. Der Gesprächsbedarf ist groß, größer aber noch der Handlungsbedarf. Wie man Terrorismus verhindert und Terroristen bekämpft, darüber herrscht auch fünf Jahre nach dem 11. September keine rechte Klarheit. Am Telefon ist General a. D. Klaus Naumann, der ehemalige Vorsitzende des NATO-Militärausschusses und vormalige Generalinspekteur der Bundeswehr. Guten Morgen!

Naumann: Guten Morgen Herr Heinemann!

Heinemann: General Naumann, in Berlin geht es heute auch um europäische Sicherheit und Verteidigung. Nur so wenig Europa war ja nie. Die Skandinavier halten nicht viel davon, die Osteuropäer suchen ihr Heil in der NATO und die Briten flirten trotz der Saint-Malo-Initiative von '98 lieber mit den USA. Gibt es überhaupt eine europäische Sicherheitspolitik gegenwärtig, die diesen Namen verdient?

Naumann: Meine Antwort darauf, Herr Heinemann, ist ein klares Nein. Europa ist leider uneinig in vielen Fragen, in der Sicherheits- und Verteidigungspolitik auf jeden Fall.

Heinemann: Warum bedarf es denn neben der transatlantischen, also neben der NATO, einer eigenen europäischen Verteidigung überhaupt?

Naumann: Wenn man in der NATO wirklich die Führungsmacht USA bewegen will, dann muss Europa mit einer Stimme sprechen. Das fehlt eben leider und deswegen wird das alte römische Prinzip auch von den USA angewandt, teile und herrsche. Man treibt manchmal bewusst Keile zwischen die Europäer und nutzt dann die Schwäche aus und kann sich auf diese Weise durchsetzen. Europa muss endlich lernen, mit einer Stimme zu sprechen und vor allem so zu handeln.