Spengler: Wir bleiben beim Thema BenQ und Siemens, wollen es allerdings etwas verallgemeinern, denn das, was hier passiert ist, der Verkauf eines Unternehmensteils, ausufernde Managergehälter, Entlassung der Beschäftigten, das ist ja beileibe kein Einzelfall in Deutschland. Im Gegenteil: Manchmal sind die Dinge sogar noch unverständlicher, dann zum Beispiel, wenn es zu Massenentlassungen kommt, obwohl ein Unternehmen satte Gewinne macht. Wenn diese Entwicklung anhält, wie sollen da überhaupt neue Arbeitsplätze entstehen? Das wollen wir in den kommenden Minuten erörtern mit Professor Ulrich Thielemann von der Universität St. Gallen. Guten Morgen Herr Thielemann!

Thielemann: Guten Morgen Herr Spengler!

Spengler: Sie sind Wirtschaftsethiker. Wenn wir nun hören, dass die Siemensmanager doch auf ihre dreißigprozentige Gehaltserhöhung verzichten und ein 30 Millionen Euro Fonds für die BenQ-Mitarbeiter gegründet wird, lässt Sie das wieder hoffen, dass Wirtschaft und Ethik heutzutage doch noch zusammen geht?

Thielemann: Hoffen ist vielleicht ein bisschen viel, aber in dem Zusammenhang. Es klingt mehr ein bisschen nach Spendenethik, etwas gönnerhaft vielleicht, aber ich denke, gleichwohl ist es ein gutes Zeichen, weil ja genau dieser Zusammenhang dabei thematisiert wurde, dass das Management sich bedient, aber die Mitarbeiter das Nachsehen haben, und man möchte das offenbar korrigieren, diesen Eindruck.

Spengler: Also man sollte das schon würdigen, was da jetzt passiert ist von Siemens?

Thielemann: Ja, das sollte man schon tun, nur würde ich sagen, es sollte schon systematischeren Gehalt haben, so etwas.

Spengler: Die Siemensmanager rechtfertigen sich heute damit, dass man mit dem Verkauf vor einem Jahr die marode Handysparte habe retten wollen, die 3000 Arbeitsplätze habe retten wollen. Aber warum hat man überhaupt verkauft, warum hat man nicht selbst saniert?