Engels: Erst vor zwei Tagen hatte sich das Parlamentarische Kontrollgremium des Bundestages zu einem ungewöhnlichen Schritt entschlossen: Um die Affäre um die Bespitzelung von Journalisten durch den BND aufzuklären, hatten die Abgeordneten angekündigt, den betreffenden Bericht des Sonderermittlers Gerhard Schäfer zu veröffentlichen. Doch nun melden einige betroffene Journalisten Bedenken an, beispielsweise der Publizist Erich Schmidt-Eenboom, ein "Focus"-Redakteur und Andreas Förster von der "Berliner Zeitung". Sie fürchteten dadurch einen Eingriff in ihre Privatsphäre, hieß es gestern in "Spiegel Online". Unterdessen hat sich Schmidt-Eenboom gegenüber dem Fernsehsender Phoenix nun doch für eine Veröffentlichung ausgesprochen.

Am Telefon ist nun ein weiterer Kollege, der vom BND observiert wurde: Hans Leyendecker von der "Süddeutschen Zeitung". Guten Morgen!

Leyendecker: Guten Morgen!

Engels: Sind Sie mit Blick auf Ihre eigenen Themen, die ja möglicherweise auch im Bericht stehen, auch gegen eine Veröffentlichung dieses Berichts?

Leyendecker: Nein, bin ich überhaupt nicht. Ich glaube nicht, dass Journalisten, die für das Informationsfreiheitsgesetz eingestanden haben, jetzt auf einmal ausrufen dürfen, da darf nichts veröffentlicht werden. Man muss dafür sorgen, dass das, was wirklich privat ist - da gibt es auch private Dinge bei einigen Kollegen in dem Bericht -, dass die nicht der Öffentlichkeit zugänglich gemacht werden. Aber über alles andere auch mit den Fehlern, die dieser Bericht hat, wird man dann reden müssen.

Ich erinnere - das liegt ja ein bisschen zurück - an dieses Caroline-Urteil. Da standen 64 deutsche Chefredakteure auf, weil ein Straßburger Gericht gesagt hatte, die Privatsphäre von Caroline muss geschützt werden. Da schrieen die deutschen Chefredakteure: Das ist ein Angriff auf die Pressefreiheit, der investigative Journalismus kann nicht mehr stattfinden. Nun trifft das ganze unsere Zunft, und da lehnen wir uns zurück und sagen, es darf nicht veröffentlicht werden, welches Auto ich fahre. Das ist doch ein Ausmaß an Heuchelei.

Engels: Sie haben eben das Urteil über Caroline von Monaco angesprochen, das ja in der Tat diese Privatsphäre deutlich in den Mittelpunkt stellte.