Engels: Der Nahost-Konflikt dominierte gestern auch das Treffen der EU-Außenminister. In einer gemeinsamen Erklärung forderte die Runde die Hisbollah-Miliz zur Freilassung der beiden entführten israelischen Soldaten auf und rief Israel auch dazu auf, nicht in unverhältnismäßiger Weise zu agieren. Zudem signalisierte die EU Zustimmung zu einer UN-geführten Friedenstruppe im Südlibanon. Am Telefon ist nun die EU-Außenkommissarin Benita Ferrero-Waldner. Guten Morgen!

Ferrero-Waldner: Guten Morgen, Frau Engels!

Engels: UN-Generalsekretär Kofi Annan hat ja relativ konkrete Pläne: Offenbar soll die bereits im Südlibanon stationierte UN-Truppe von 2000 Mann als deutlicherer Puffer zwischen Israel und dem Libanon ausgebaut werden. Das könnte die EU mittragen?

Ferrero-Waldner: Nun, es ist noch viel zu früh natürlich, hier eine Stellungnahme abzugeben. Denn es liegt am Sicherheitsrat und damit natürlich an Kofi Annan, Vorschläge zu machen, wie ein Plan entwickelt werden kann, dass die eigenen UN-Resolutionen, nämlich 1559 und 1680, auch wirklich umgesetzt werden, die tatsächlich volle Souveränität für den Libanon bringen sollen.

Engels: Die Überlegung für diese UN-Friedenstruppe im Südlibanon wird aber von einigen in der Europäischen Union schon relativ konkret geplant. Der französische Präsident Jacques Chirac forderte bereits ein robustes Mandat für diese Truppe. Der italienische Ministerpräsident Romano Prodi nannte bereits Zahlen, forderte 8000 Mann. Kann sich die EU hier auf eine einheitliche Position noch verständigen?

Ferrero-Waldner: Nun, es ist, noch einmal, es ist zu früh, jetzt bereits Einzelpositionen abzugeben. Wir haben gestern generell diese Frage angesprochen und selbstverständlich haben die Mitglieder ja eine Tradition, wenn es um UN-Truppen geht, grundsätzlich positiv zu reagieren. Aber es liegt dann wirklich an jedem einzelnen Mitgliedsstaat. Tatsächlich gibt es einige, die hier größeres Interesse und größere Bereitschaft zeigen als andere. Aber alles muss getan werden, da haben Sie vollkommen Recht, und das ist der Plan von Kofi Annan, damit wieder Ruhe und Frieden einkehrt im Libanon.

Engels: Rechnen Sie denn damit, dass sich der Generalsekretär der UN, Kofi Annan, mit diesem Ziel durchsetzen kann? Denn Israel ist ja nicht sehr begeistert von der Idee, nennt es verfrüht.