Lange: In der SPD, zu Zeiten des Bundeskanzlers Gerhard Schröder, war das fast schon normal. Aber für die CDU ist das doch eine ungewohnte Erfahrung: Die erfolgsverwöhnte Union verliert als Regierungspartei in Umfragen deutlich an Zustimmung und schon melden sich Parteifreunde von der Peripherie - namhafte und nicht ganz so namhafte -, denen die ganze Richtung passt. Die Gesundheitsreform müsse revidiert und zu einer richtigen Reform gemacht werden. Die Stammwähler seien verunsichert, weil die Union kaum Profil zeige. Und dass niedrige Steuern zu mehr Investitionen und damit zu neuen Arbeitsplätzen führen, das sei gar eine Lebenslüge der CDU. Es sieht nach viel Arbeit aus für die Parteivorsitzende Angela Merkel und auch für ihren Generalsekretär Ronald Pofalla, nach dem Urlaub die Linie der Parteiführung wieder plausibel zu machen. Der Generalsekretär der CDU ist jetzt am Telefon. Morgen, Herr Pofalla.

Pofalla: Guten Morgen, Herr Lange.

Lange: Herr Pofalla, wie bewerten Sie denn diese Vielstimmigkeit? Ein ganz normales Rumoren oder der Anfang von einem tiefer gehenden Meinungsumschwung?

Pofalla: Wir haben eine natürlich partielle Veränderung der Umfragesituation. Aber es ist ja nun nicht so, dass wir insgesamt jetzt auf einem Niveau agieren, das unterhalb des letzten Bundestagswahlergebnisses liegt. Es gibt Umfragen, die sehen uns bei 37 bis 38 Prozent, bei der Forschungsgruppe Wahlen oder bei der GMS Hamburg. Andere sehen uns bei 32 bis 33 Prozent. Wir werden weiter daran arbeiten müssen, dass wir das Vertrauen in die CDU in der großen Koalition weiter schärfen. Und das ist möglich.

Lange: In welcher Weise?

Pofalla: Indem wir das Profil der Union auch in Zeiten der großen Koalition deutlich machen. Das Profil schärft man aber nicht durch ein permanentes Hickhack mit unserem Koalitionspartner. Das Profil schärfen wir, indem wir unsere Handschrift in der Arbeit der großen Koalition deutlich machen und indem wir die Modernisierung der Erneuerung der CDU über die zweijährige Grundsatzprogrammdebatte, die vor drei Monaten begonnen hat, vorantreiben.