Heckmann: Seit über sieben Wochen also streiken die Ärzte, die an kommunalen Krankenhäusern beschäftigt sind. Sie wollen endlich, so wie zuvor ihre Kollegen an den Landeskrankenhäusern und Unikliniken, einen eigenen Tarifvertrag für Ärzte, eine höhere Bezahlung und bessere Arbeitsbedingungen durchsetzen. Und dafür erhöhten sie noch einmal den Druck. 160 Krankenhäuser waren gestern nach Angaben der Ärztegewerkschaft Marburger Bund von den Streiks betroffen. Rund 16.000 Ärzte legten demnach ihre Arbeit nieder. Damit hat jeder vierte Arzt an den Protestaktionen teilgenommen.

Das kann nicht ohne Auswirkungen bleiben für die Patienten und soll es wohl auch nicht. Und dazu wollen wir befragen die Patientenbeauftragte der Bundesregierung. Guten Morgen, Helga Kühn-Mengel.

Kühn-Mengel: Guten Morgen, Herr Heckmann!

Heckmann: Frau Kühn-Mengel, heute Nacht sind die Tarifverhandlungen in Düsseldorf unterbrochen worden. Vor einer knappen Stunde war das. Haben Sie noch Verständnis dafür, dass sich die Tarifparteien immer noch nicht geeinigt haben?

Kühn-Mengel: Ich habe wenig Verständnis dafür. Das zieht sich nun wirklich lange hin. Und es ist auch so, dass sich schon viele Patienten und Patientinnen verunsichert fühlen, sich auch bei mir und meiner Geschäftsstelle melden, weil zum Beispiel eine lang anberaumte Hüftoperation zwei Tage vor dem Termin abgesagt wurde mit der Begründung, unser Anästhesist streikt. Das sind alles Operationen, die durchaus verschiebbar sind, aber dennoch eine Belastung für Patient und Patientin darstellen. Das andere ist aber auch, dass ein Krankenhaus ja nur so gut ist, wie die Teams auch zusammenarbeiten. Und deswegen sage ich immer, es muss bei den Verhandlungen an das ganze Team gedacht werden und natürlich auch an die Arbeitszeiten. Die Arbeitsbedingungen müssen stimmen, zum Wohle der Patienten und Patientinnen.

Heckmann: Frau Kühn-Mengel, es heißt immer wieder, dass schwerkranke Patienten nicht betroffen seien, von den Ärzten, dass lebenswichtige Behandlungen nicht verschoben würden. Immer wieder gibt es aber in der Presse auch anders lautende Meldungen. Muss man sich als Patient oder als Angehöriger Sorgen um seine Gesundheit oder um sein Leben sogar machen?