Heinemann: Der Grundsatz für jede Gesundheitsreform steht in der Bibel. Matthäus 9, Vers 12: Nicht die Gesunden brauchen den Arzt, sondern die Kranken.

Damit wäre schon mal viel erreicht. Leider äußert sich der Evangelist nicht zum Fondsmodell, zu Zuzahlungen oder dem Risikostrukturausgleich. Das Basteln an der Gesundheitsreform erinnert gegenwärtig an den Turmbau zu Babel. Jeder redet in fremden Zungen. Die einst vereinbarten Eckpunkte bilden wahlweise solide Grundsteine oder Steinbrüche, aus denen jeder herausschlägt was ihm passt. Apropos schlagen: Die für Sonntag geplante Sondersitzung der Gesundheitsminister aus den unionsregierten Ländern bezeichnete der CSU-Gesundheitsexperte Wolfgang Zöller als "total bekloppt".

Immerhin hat sich eine Expertengruppe der Großen Koalition am gestrigen Abend auf einen Plan zur Entschuldung der Krankenkassen geeinigt. Man hoffe, die noch strittigen Punkte bis Donnerstag kommender Woche zu klären, erklärten die Verhandlungsführer anschließend. Und gestritten wird nach wie vor - wir haben es gehört - über den Gesundheitsfonds, in den das Geld der Versicherten fließt und aus dem die Krankenkassen einheitliche Pauschalsätze für jedes Mitglied bekommen sollen.

Am Telefon ist Christa Stewens (CSU), Sozialministerin im Freistaat Bayern. Guten Morgen!

Stewens: Guten Morgen, Herr Heinemann!

Heinemann: Frau Stewens, die Koalition hat sich offenbar verlaufen. Wie kommt man aus dem Sumpf wieder heraus?

Stewens: Vom Grundsatz her müsste man nur in der Umsetzung die Eckpunkte tatsächlich einhalten, und ich meine, wenn die Eckpunkte eingehalten werden, dann könnte man in dem Gesetzentwurf gerade die schwierigen Stellen, die angesprochen worden sind, durchaus bereinigen.