Durak: "Union vergibt viele Chancen" schrieb die mitteldeutsche Zeitung gestern, im Sportteil allerdings und gemeint war eine Frauenhandballmannschaft aus Sachsen-Anhalt. Was aber ist mit der CDU in diesem Bundesland? Welche Chancen vergibt sie denn, wenn der Ministerpräsident Wolfgang Böhmer selbst offen sagt - so wird er jedenfalls zitiert -, "Ja, er befürchte schon, bei den Landtagswahlen am 26. März auch verlieren zu können".

Rente mit 67, Streit bei der Familienförderung, das kommt aus Berlin unter freundlicher Mitwirkung der Bundes-CDU. Was kommt auf die eigene Rechnung der Landes-CDU? - Am Telefon ist der Ministerpräsident. Herr Böhmer, wenn heute die Rechnung aus Nürnberg von der Bundesagentur kommt mit den Arbeitslosenzahlen, womit rechnen Sie denn für Ihr Land?

Böhmer: Ich rechne natürlich damit, dass saisonbedingt im Januar die Arbeitslosigkeit höher ist als im Sommer oder Herbst des letzten Jahres. Aber nach dem was ich bisher gehört habe - und einiges spricht sich herum - wird die Arbeitslosigkeit trotzdem niedriger sein als in einem Januar-Monat der letzten Jahre. Genaue Zahlen weiß ich noch nicht, aber dafür sprechen doch die bisherigen bekannten Umstände.

Durak: Herr Böhmer, Sachsen-Anhalt hatte lange Zeit die rote Laterne in Sachen Arbeitslosigkeit. Inzwischen sind Sie an vorletzter Stelle mit 18,7 Prozent. Das war so in etwa der letzte Stand. Als durchschlagender Erfolg ist das aber im Lande kaum vermittelbar, oder doch?

Böhmer: Ich habe das auch nicht behauptet, dass das schon ein durchschlagender Erfolg wäre, aber niemand soll doch denken, nachdem wir über acht Jahre das Land mit der höchsten Arbeitslosigkeit waren, dass das nun innerhalb einer relativ kurzen Zeit umschlagen würde und wir würden die Besten sein. Das wäre doch nun wirklich fantasievoll, sich so etwas selber einreden zu wollen. Das ist ein mühsamer Prozess, aber wir haben Bewegung in den Arbeitsmarkt gebracht und wir sind auch das Land, wo wenigstens im Bereich der gewerblichen Produktion die Zahl der versicherungspflichtigen Beschäftigungsverhältnisse zugenommen hat. Nicht insgesamt, weil wir nach wie vor eine Abnahme nicht nur im Bausektor haben, sondern auch im Bereich des öffentlichen Dienstes und dort müssen wir Personal abbauen. Dort bekommen wir bei jeder anderen Gelegenheit vorgeworfen, dass wir immer noch zu viel hätten.

Durak: Herr Böhmer, Gegenwind aus Berlin. Keine Arbeitsplätze in Sicht, aber Rente mit 67 und zwar schnell. Das wird vor allem in Berlin so gesagt. Sie haben aber auch nicht ganz Nein gesagt. Ob Ihre Bürger Sie da noch verstehen?

Böhmer: Ja. Die Bürger wissen nämlich, wie das einigermaßen zusammenhängt, wenigstens die meisten. Und das ist ja keine Entscheidung, die eine Regierung oder ein Parlament alleine getroffen hat. Seit mehreren Jahren, fast Jahrzehnten entscheiden sich die Bürger immer für weniger Kinder. Wenn das so ist, dann werden diese Entscheidungen, die millionenfach in den einzelnen Familien gefällt werden, dazu zwingen, dass diejenigen, die leben, länger arbeiten müssen. Das ist keine neue Erkenntnis. Diejenigen, die einigermaßen rechnen können, die wissen das längst. Es ist nur die Frage, wann es und in welchem Zeitablauf es schrittweise umgesetzt werden muss.