Heinlein: Guten Morgen, nach Genf

Stöhr: Schönen Guten Morgen.

Heinlein: Herr Stöhr, die Türkei muss mit der Vogelgrippe leben, so haben wir es gerade gehört. Ist es nur eine Frage der Zeit, bis der Virus die Grenze auch nach Deutschland überschreitet?

Stöhr: Ja, also erst mal sollten wir nicht hoffen, dass die Vogelgrippe in der Türkei noch lange existiert. Ohne Zweifel wird die Seuchenbekämpfung außerordentlich schwer und auch nicht kurzfristig zu bewältigen sein. Die explosionsartige Ausbreitung jetzt, die man beobachtet, ist höchstwahrscheinlich auf ein längerfristiges Bestehen der Seuche doch zurückzuführen, unter dem Mantel der schwachen Seuchenüberwachung. Man muss einfach sagen, dass die Seuche vielleicht sich schon länger ausgebreitet hat, als man es glaubte, und jetzt, mit dem verstärkten Interesse und besseren Aufmerksamkeit werden einfach mehr Fälle gefunden. Aber, in Asien wird es wohl drei bis fünf Jahre dauern, bis man die Seuche in den Griff bekommt. In Europa sollte es schneller gehen. Die Methoden und Verfahren sind eigentlich da und erprobt, man muss sie nur umsetzen, konsequent. Das wird etwas Zeit, aber in jedem Fall wohl auch viel Geld kosten.

Heinlein: Der Weg des Virus von Asien nach Europa in die Türkei hat nur wenige Monate gedauert. Deshalb noch einmal die Frage, ist es nur eine Frage der Zeit, bis der Virus auch in Deutschland ankommt?

Stöhr: Ohne Zweifel steigt das Risiko, dass die Seuche sich weiter ausbreitet. Man muss aber hier unterscheiden: Die Seuche ist nach Europa über Zugvögel gekommen, von höchstwahrscheinlich Zentralasien, China über die Mongolei nach Kasachstan, Russland, Ukraine, Rumänien, nun die Türkei, schon vor längerem eigentlich, vor einigen Monaten. Aber jetzt breitet sich die Seuche in der Türkei nicht mehr über Zugvögel aus, das geht über Tierverkehr, Tiertransporte, kontaminierte Futtermittel, Personen und sicherlich auch, und diese Art der Weiterverbreitung trägt ein größeres Risiko jetzt in sich, dass die Seuche auch in andere Länder sich verbreitet, besonders, und das ist ganz wichtig, über infizierte Tiere, die dann lebend exportiert werden.

Heinlein: Also sind illegale Fleischimporte aus der Türkei nach Deutschland in der Tat eine Gefahr und hier müssen Kontrollen verstärkt werden.