Remme: Wenn von Nordamerika die Rede ist, dann meinen viele allzu oft lediglich die Vereinigten Staaten von Amerika und vergessen dabei den zweitgrößten Flächenstaat der Erde Kanada - immerhin Mitglied der sieben führenden westlichen Industrienationen. Dort sind heute 23 Millionen Menschen aufgerufen, ein neues Parlament zu wählen. Es sind vorgezogene Parlamentswahlen, und es deutet sich ein Machtwechsel an, ein Sieg der Konservativen. Mark Webber leitet das Zentrum für Deutsche und Europäische Studien an der Universität York in Toronto. Und ich habe ihn vor der Sendung gefragt, warum sich die Wähler nach 13 Jahren von den Linken abwenden.

Webber: Ich glaube nicht, dass sich die Wähler von den Linken abwenden, sondern ich glaube, dass viele Wähler meinen, diese liberale Regierung gehört bestraft, und zwar - um eine Eishockeymetapher zu benutzen - wegen unsportlichen Verhaltens.

Remme: Und worin besteht das unsportliche Verhalten?

Webber: Das unsportliche Verhalten besteht darin, dass man Gelder veruntreut hat in Quebec, um angeblich für den Föderalismus, also für Kanada, für ein einheitliches Kanada in Quebec zu werben.

Remme: Konservative, das ist ja ein weites Feld. Dieser Name, darunter versteht man in unterschiedlichen Ländern ganz anderes. Sind das Konservative nach sagen wir einmal einem US-Muster? Gleichen sie den Republikanern um George Bush?

Webber: Das ist natürlich die große Frage. Die Liberalen werfen den Konservativen vor, sie wären die kleineren Brüder des großen Bruders im Süden. Die Konservativen selber sagen, nein, sie wären gute Kanadier, auch mit kanadischen Wertevorstellungen von einem gemeinsamen Gesundheitswesen und so weiter. Das wird sich erst herausstellen.

Remme: Welche Inhalte haben denn die Konservativen im Wahlkampf in den Mittelpunkt gestellt? Denn immerhin geht es ja den meisten Kanadiern durch die gute Wirtschaftslage hervorragend.