Simon: Der Rahmen ist schon sehr fein gewählt: Genau am 250. Geburtstag von Wolfgang Amadeus Mozart hat Österreichs Bundeskanzler Wolfgang Schüssel nach Salzburg geladen. Dort sollen hochrangige Gäste aus Politik, Wirtschaft, Kultur und Medien über den "Sound of Europe" diskutieren, also in etwa "den Klang Europas". Österreich hat derzeit die EU-Präsidentschaft und mit dieser Konferenz sollen vielleicht auch wieder etwas fröhlichere Töne in den zuletzt auch oft mollgetönten Klang in der EU-Debatte kommen. Welche Rolle, welche Bedeutung soll EU, Europa haben? Am Telefon in Salzburg ist nun die EU-Außenkommissarin Benita Ferrero-Waldner. Frau Ferrero-Waldner, was erwarten Sie konkret von dieser Konferenz?

Ferrero-Waldner: Ich erwarte, dass diese Konferenz die Ouvertüre eines längeren Prozesses ist, einer hoffentlich sehr lebhaften Debatte, den "Sound of Europe", den "Klang Europas", ja den Klang der Bürger, "Sound of the Citizens", wieder anzufachen. Und wir haben eben einen vielfältigen Klang in Europa. Das ist eine Symphonie. Das ist nicht monoton. Und ich hoffe, am Ende werden wieder Klänge in Dur da sein - sowie auch die "Ode an die Freude" etwas Positives ist und wir nicht von einer "Ode an die Sorge" sprechen. Und damit soll durch die österreichische Präsidentschaft, die ja ein Zwei-Phasen-Konzept hat, in der ersten Phase sozusagen in die Inhalte hineinzugehen, über die Arbeitslosigkeit zu sprechen - Wie kann man sie vermeiden? Wie kann man mehr tun, um die Wirtschaft anzukurbeln, die Wettbewerbsfähigkeit? - und damit eine wirklich positive Stimmung zu machen. Und auch in die zweite Hälfte hineinzugehen, zur Verfassungsdiskussion.

Simon: Ist die Gefahr nicht groß, dass das bestenfalls vielleicht am Ende beim Parlando bleibt und nicht viel rauskommt?

Ferrero-Waldner: Wissen Sie, man muss Stimmungen eben ändern. Und ich denke, eine Identitätsdiskussion ist sehr, sehr wichtig in Europa. Denn die Identität Europas ist ja die Summe aller Identitäten. Und das passt sehr gut zu Mozart, der ja ein Parade-Europäer war.

Simon: Frau Ferrero-Waldner, in Salzburg schaut die EU heute auf sich selber. Überschattet ist das Ereignis aber vom Wahlsieg der Hamas bei der palästinensischen Parlamentswahl. Die Europäische Union ist der größte Geber der Palästinenserregierung, sie hält die Gebiete sozusagen am Leben. Wird es dabei bleiben, wenn jetzt Hamas regiert?

Ferrero-Waldner: Nun, wir haben gestern Abend noch ein Quartett-Telefonat gehabt. Sie wissen: Das sind die Amerikaner, die Vereinten Nationen, die Russen und wir, die Europäer. Und wir haben noch einmal festgestellt, dass es natürlich einen grundlegenden Widerspruch gibt zwischen der Fortsetzung der Aktivitäten bewaffneter Gruppen und Milizen einerseits und dem Aufbau des demokratischen Staates andererseits. Eine Zwei-Staaten-Lösung des Konflikts verlangt von allen Teilnehmern eben einen demokratischen Prozess, auf Gewalt und Terrorismus zu verzichten - und das Existenzrecht Israels anzuerkennen und die Waffen niederzulegen. Und eben darauf zuzugehen, was in der Wegskizze, in der "Roadmap", vorgezeichnet ist, nämlich die Zwei-Staaten-Lösung in Frieden. Und darauf wird es ankommen. Jetzt ist der Ball bei der Hamas.

Simon: Das heißt aber: Sie warten erst mal ab?