Birke: Der Zeitpunkt für Angela Merkels Nahostreise hätte kaum besser gewählt sein können, ist die Kanzlerin doch die erste aus dem Reigen des Nahostquartetts, die nach dem bedeutenden Wahlsieg der radikal-islamischen Hamas in den Palästinensergebieten der Krisenregion einen Besuch abstattet. Eine Chance, ihr außenpolitisches Profil weiter zu schärfen. Gestern Abend traf die deutsche Regierungschefin mit dem amtierenden israelischen Regierungschef Ehud Olmert zusammen. Für heute standen ein Gespräch mit Präsident Katzav und mit Palästinenserpräsident Mahmud Abbas auf der Tagesordnung.

Peter Heine ist Nahostexperte und Professor an der Berliner Humboldt Universität. Einen schönen guten Tag.

Heine: Guten Tag.

Birke: Herr Heine, der Hamasführer Hania hat heute noch einmal appelliert, der Westen möge die Geldzuweisungen nicht einstellen. Kann es sich die EU, können es sich die Vereinigten Staaten leisten, den Palästinensern völlig den Geldhahn zuzudrehen?

Heine: Also aus meiner Sicht ist das jedenfalls nicht besonders klug. Denn man muss natürlich bedenken, dass die Zahlungen dieser Mittel bis zu einem gewissen Grade auch mit einem gewissen entsprechenden Einfluss einher gehen. Und man soll sich darüber schon klar sein, diese Mittel, die die Palästinenser bedürfen, können auch aus anderen Quellen kommen, also beispielsweise aus dem Iran oder woher auch immer. Die Hamas hat sehr gute Vernetzungen in der islamischen Welt, das wäre nicht das Problem. Auf die Art würde natürlich beispielsweise der Einfluss Irans in der Konfliktregion nur noch verstärkt.

Birke: Kann man mit der Hamas verhandeln?

Heine: Also man muss sicherlich sehen, es handelt sich um eine Institution, eine Einrichtung, die seit knapp 20 Jahren etwa in Palästina arbeitet, aus einem zivilen Teil besteht, der exzellent arbeitet, Krankenhäuser betreibt, Kindergärten, Sozialstationen, Schulen, Universitäten und so weiter. Also da sind schon Leute, die wissen, wie das Geschäft geht. Und auf der anderen Seite eben der militärische Flügel, der ebenfalls gut organisiert ist. Und dieses Maß an Durchorganisiertheit und auch Erfahrung im internationalen Kontext würde dafür sprechen, mit ihnen auf jeden Fall zu reden.