Müller: Der Iran, Irak, Afghanistan, Palästina, Syrien - es gibt zwischen der westlichen Welt und der muslimischen Welt weitaus größere Probleme, als eine Hand voll Karikaturen in einer dänischen Tageszeitung. Doch Gruppierungen in der muslimischen Welt wiederum sehen das offenbar anders, oder vielleicht gerade deshalb sehen sie das so. Die Situation eskaliert, die Proteste im Nahen Osten sind längst gewalttätig, Entführungen gehören dazu, mehrere Botschaftsgebäude sind gestern in Flammen aufgegangen.

Am Telefon sind wir nun verbunden mit Harald Moritz Bock, Generalsekretär der Deutsch-Arabischen Gesellschaft. Guten Morgen.

Bock: Ja, guten Morgen.

Müller: Herr Bock, versuchen wir es wenigstens diplomatisch. Ist das orientalisches Temperament?

Bock: Nein, das ist völlig absurd, was dort im Augenblick abgeht. Wie Sie auch richtig sagen, es gibt tausende Gründe, weshalb man auf die Straße gehen kann, aber nicht wegen solcher Karikaturen.

Müller: Haben Sie eine Erklärung?

Bock: Nun, da staut sich ein Hass auf, in der Vergangenheit, der hier entzündet worden ist von bestimmten Kreisen. Und dieser Hass, der staut sich auf, weil man sich zurückgesetzt fühlt, in der arabischen Welt, in der islamischen Welt, weil man häufig von dem Abendland eine kalte Schulter erfährt und nicht ernst genommen wird, wenn man protestiert, wenn man versucht, seine eigenen Ziele durchzusetzen. Man wird vor den Kopf gestoßen. Sehen Sie, wenn in Israel beispielsweise der Schutzzaun, wie die Medien berichten, errichtet wird, eine Mauer mit über acht Meter Höhe, und darüber wird zur Tagesordnung gegangen, obwohl sich die UNO dagegen wendet, wenn da tausend verschiedene Resolutionen gefasst werden und der Protest der islamischen und arabischen Welt einfach zurückgeschoben wird, und es wird weiter in dieser Hinsicht vorgegangen. Da staut sich etwas auf. Und das hat wohl dazu geführt, dass irgendwelche Rattenfänger, politische Rattenfänger die Möglichkeit haben, derartigen Hass des Mobs zu mobilisieren.