Remme: Unter der Schirmherrschaft der Vereinten Nationen und der Europäischen Union findet heute in Brüssel eine so genannte Geberkonferenz für die Stabilisierung des Kongos statt. Geld soll zusammenkommen für den Aufbau des Landes, die Friedensbemühungen nach dem Krieg im Kongo von 1998 bis 2002. Und nicht nur das: Die Vereinten Nationen haben die EU auch um die Entsendung einer schnellen Eingreiftruppe gebeten, um die für Ende April geplanten Wahlen im Kongo zu sichern. Dabei könnten dann auch Bundeswehrsoldaten zum Einsatz kommen. Eine solche Entscheidung ist noch nicht gefallen. Am Telefon in Kinshasa ist jetzt Albrecht Conze, politischer Direktor der UN-Friedensmission im Kongo. Guten Morgen, Herr Conze!

Conze: Guten Morgen!

Remme: Herr Conze, wir kommen zehn Minuten später zusammen als geplant. Sie saßen im Stau, haben Sie mir gerade gesagt. Kann man also davon ausgehen, dass Kinshasa eigentlich eine ganz normale Stadt ist?

Conze: Na ja, normal ist hier vieles noch nicht. Aber immerhin deutet der Stau darauf hin, dass es Zeichen des Aufschwungs gibt, denn es gibt mehr Autos. Und das ist eigentlich auch das Erste, was man sagen kann über den Kongo: Nach 40 Jahren schlechter Nachrichten mit Diktatur, Krieg, Nachkriegszeit, Hunger und Menschenrechtsverletzungen sehen wir zum ersten Mal Licht am Ende des Tunnels. Und in politischer Hinsicht heißt das: Wir sehen im Jahre 2006 jetzt sehr konkret zum ersten Mal demokratische Wahlen im Kongo vor uns. Und so viel gute Nachrichten hat es eigentlich noch selten gegeben und deswegen ist die heutige Geberkonferenz auch keine Bettelkonferenz, sondern ein Signal an die internationale Gemeinschaft, eine Ermutigung, jetzt dem Kongo noch einmal zu helfen, weil es gute Aussichten dafür gibt, dass er in einigen Jahren tatsächlich auf eigenen Füßen stehen kann.

Remme: Herr Conze, sehen Sie diese Hoffnungszeichen nur in Kinshasa oder auch im Rest des Landes?

Conze: Nicht im ganzen Land. Es gibt im Osten natürlich immer noch Rebellengruppen, die noch nicht völlig unter Kontrolle sind. Aber die Lage hat sich auch dort entscheidend gebessert, seit die Blauhelme verstärkt worden sind - nicht nur zahlenmäßig, sondern auch in ihrem Mandat. Es ist ein starkes Mandat, das der Sicherheitsrat der Vereinten Nationen hier der Mission der UNO gegeben hat, um die Rebellen dort in Schach zu halten und um der Bevölkerung in den östlichen Gebieten des Kongo bessere Lebensverhältnisse zu ermöglichen.

Remme: Es ist ja eine der größten Friedensmissionen, die die Vereinten Nationen ins Leben gerufen hat. Warum jetzt noch weitere Soldaten, wenn schon so viele Blauhelme vor Ort sind?