Birke: Im Kongo, im Herzen Afrikas, tobt der wohl blutigste Krieg des Kontinents, und das will wahrhaftig etwas heißen, denken wir allein an den Konflikt in Darfur. Zwischen 3 und 4,7 Millionen Menschen - so schätzt die amerikanische Hilfsorganisation "International Rescue Commitee" - sind dem Kongo-Krieg seit 1998 zum Opfer gefallen. Immer wieder schwappen auch die Konflikte der Nachbarländer, etwa der Ruandas zwischen Tutsis und Hutus, auf das einst von den Belgiern beherrschte zentralafrikanische Land über. Der Kongo ist reich an Rohstoffen, an Edelsteinen und an Konfliktpotenzial. Nun sollen demnächst die ersten demokratischen Wahlen seit 1960 abgehalten werden. Genau über diese gute Idee beraten im österreichischen Innsbruck die EU-Verteidigungsminister im Rahmen einer informellen Tagung seit gestern. Und dort in Innsbruck bin ich jetzt mit Franz-Josef Jung von der CDU, dem Verteidigungsminister, verbunden. Einen schönen guten Morgen, Herr Jung!

Jung: Guten Morgen, Herr Birke!

Birke: Herr Jung, sind Sie nun bereit, Deutschland als Führungsmacht für einen EU-Kongo-Einsatz zu empfehlen?

Jung: Wir beraten gerade die Frage eines Einsatzes der Europäischen Union, wobei wir vier Bedingungen genannt haben, und zwar erstens, dass die kongolesische Regierung einen solchen Einsatz für notwendig und richtig hält, also einem solchen Einsatz zustimmt, zweitens, dass ein klares Mandat der Vereinten Nationen beschlossen wird, drittens, dass wir uns konzentrieren auf Kinshasa und auf ei-e zeitliche Befristung über die Wahlen und die Regierungsbildung von zirka vier Monaten, und viertens, dass eine größere Beteiligung aller europäischen Staaten stattfindet, weil ich denke das ist eine Verantwortung, die Europa hier insgesamt zu tragen hat und eben nicht nur Deutschland allein.

Birke: Weshalb ist für Europa diese Verantwortung so wichtig? Was haben wir im Kongo zu tun?

Jung: Ich denke, dass gerade die unmittelbare Nähe von Europa zu Afrika, wenn Sie sich beispielsweise die Situation von Gibraltar vor Augen führen, auch dort die Flüchtlingsströme deutlich machen, dass Europa ein großes Interesse hat an einer positiven Entwicklung in Afrika, auch an einer stabilisierten Entwicklung. Deshalb sind wir bei-spielsweise auch im Sudan oder in Darfur tätig, um dort die afrikanische Union zu unterstützen, um hier stabilisierende Situationen zu er-reichen. Sie haben ja gerade in Ihrem Bericht gesagt, in welcher Art und Weise dort über drei Millionen Menschen getötet worden sind, welche Auseinandersetzungen dort stattgefunden haben. Deshalb glaube ich, hat Europa ein Interesse an einer demokratischen Entwicklung im Kongo, an einer stabilisierenden Entwicklung. Dies dient insgesamt einer friedlichen Situation und das ist glaube ich die gesamte Verantwortung, die dort Europa zu tragen hat.