Spengler: 22.000 Ärzte gibt es an Deutschlands Universitätskliniken und Landeskrankenhäusern. Sie haben sich in den letzten Tagen in einer Urabstimmung zu 98,4 Prozent für einen Streik ausgesprochen. Dieser Streik beginnt heute in acht Unikliniken: Freiburg, Heidelberg, München, Würzburg, Bonn, Essen, Mainz und Halle. Die Ärzte fordern bessere Arbeitsbedingungen und deutlich mehr Gehalt. Vor einer Woche haben sie die Verhandlungen mit der Tarifgemeinschaft der Bundesländer abgebrochen, weil die ein grottenschlechtes Angebot vorgelegt hätten. Der Geschäftsführer der Tarifgemeinschaft heißt Ulrich Konstantin Rieger und ist nun am Telefon. Guten Morgen, Herr Rieger!

Rieger: Einen schönen guten Morgen, Herr Spengler!

Spengler: Ebenfalls am Telefon ist sein Kontrahent, Frank Ulrich Montgomery, der Vorsitzende der Ärztegewerkschaft Marburger Bund. Auch Ihnen Guten Morgen, Herr Montgomery!

Montgomery: Einen guten Morgen, Herr Spengler! Nicht so schön bayerisch wie beim Herrn Rieger, sondern norddeutscher.

Spengler: Wir haben zehn Minuten etwa Zeit für einen Austausch der wichtigsten Argumente, und ich möchte die erste Frage an Sie stellen, Herr Montgomery. Was ist den Ärzten denn wichtiger, mehr Geld oder weniger Arbeit?

Montgomery: Das würde ich so nie qualifizieren, sondern wir wollen endlich vernünftige Arbeitsbedingungen haben. Und as setzt sich zusammen aus einem besseren, hierarchie-freien Krankenhaus, aus einer vernünftigen Arbeitszeit und einem anständigen Lohn.

Spengler: Dann lassen Sie uns bei dem Geld beginnen. Stimmt es, dass Sie, Herr Rieger, in der letzten Verhandlungsrunde letzte Woche Einkommenssteigerungen von etwa acht Prozent für die Ärzte im Westen und etwa elf Prozent für die im Osten angeboten haben?