Klein: Der BDI, das ist vielleicht die einflussreichste wirtschaftliche Interessenvertretung der Republik. Es gab wahrscheinlich noch keinen Bundeskanzler, der über wirtschaftspolitische Pläne nicht mit dem jeweiligen BDI-Präsidenten gesprochen hätte. Heute trifft sich Bundeskanzlerin Merkel unter anderem mit Jürgen Thumann zu einem Spitzengespräch der deutschen Wirtschaft bei der Handwerksmesse in München, und den BDI-Präsidenten begrüße ich jetzt am Telefon. Schönen guten Morgen!

Thumann: Schönen guten Morgen!

Klein: Welchen wichtigsten Wunsch wollen Sie heute Frau Merkel auf den Weg geben?

Thumann: Das wichtigste, glaube ich, das uns alle bedrängt, ist das Thema der Massenarbeitslosigkeit. Hier gilt es, weiter zu reformieren, die richtigen Schritte zu tun. An allererster Stelle steht eine weitere Modernisierung des Arbeitsrechts, und wir brauchen in der Wirtschaft Flexibilisierung der betrieblichen Bündnisse. Wir brauchen viele Möglichkeiten, damit die Unternehmer anfangen, verstärkt einzustellen. Die Lage ist insgesamt gut und bessert sich eigentlich in den letzten Monaten von Monat zu Monat, und wir haben alle Chancen, einen Aufschwung doch sicherzustellen.

Klein: Herr Thumann, Sie haben vor der Wahl - und zwar nicht nur kurz vor der Wahl, sondern eigentlich über Jahre hinweg - entschiedene Reformen gefordert wie Liberalisierung des Arbeitsmarktes, Sozialreform, Unternehmenssteuerreform. Sehr viel ist bisher nicht passiert und von Ihnen hört man eigentlich erstaunlich wenig Kritik?

Thumann: Nun ich gehe einfach von der Lage aus. Wir haben eine große Koalition. So haben die Wähler im September vergangenen Jahres entschieden. Dieser Koalitionsvertrag, der geschlossen wurde, bietet Perspektiven auch für die Industrie und die Wirtschaft insgesamt. Es gilt eigentlich darauf zu achten, dass diese große Koalition diese Inhalte, die sie verabredet hat, nun auch umsetzt. Und da, muss ich sagen, haben die gut ersten 100 Tage dieser Koalition eine sehr sachorientierte Arbeit geleistet und sie haben auch Entscheidungen getroffen, die wir begrüßen und die uns auch weiter bringen werden. Natürlich haben Sie Recht. Die Schritte, die bisher getan wurden, sind klein, aber sie sind wenigstens alle in die richtige Richtung getan.

Klein: Jetzt sprechen Sie von sachorientierter Politik. Man kann es natürlich auch eine Politik der ruhigen Hand nennen, die ja nicht zu allen Zeiten wirklich auch auf Ihre Gegenliebe gestoßen ist?