Heinlein: Heute treffen sich in Berlin die Außenminister der fünf Vetomächte, um gemeinsam mit Deutschland das weitere Vorgehen zu besprechen. Darüber möchte ich jetzt reden mit dem iranischstämmigen Publizisten und Schriftsteller Navid Kermani. Guten Morgen!

Kermani: Guten Morgen!

Heinlein: Herr Kermani, klare Worte. Eine Frist, aber keine Sanktionsdrohungen des Sicherheitsrates. Ist das der richtige Weg, um Teheran zum Einlenken zu bewegen?

Kermani: Ich glaube nicht, dass es in der verfahrenen Situation noch den einen richtigen Weg gibt, und ich befürchte, dass auch das den Iran nicht zum Einlenken bringen wird, sondern im Gegenteil, dass hier zwei Autos aufeinander zufahren und absehbar ist, dass es irgendwann knallen wird.

Heinlein: Ist dieser Unfall nicht mehr zu verhindern?

Kermani: Er ist schon noch zu verhindern. Ich bin mir auch nicht sicher. Das hängt aber von dem Willen derer ab, die in den Autos sitzen. Bei den Iranern befürchte ich mit dem neuen Präsidenten und vor allem seinem Umfeld, dass sie bereit sind, diesen Unfall zu riskieren. Bei den Amerikanern weiß ich es nicht genau, aber auch dort ist zu befürchten, wenn man die militärischen Planungen sieht, die ja schon lange im Gange sind, dass auch dort eigentlich davon ausgegangen wird, dass man auf dem Verhandlungswege nicht weiterkommen wird.

Heinlein: Welchen Kurs - vielleicht können Sie das noch näher erläutern - steuert denn der iranische Präsident? Will er ernsthaft eine Lösung oder will er die Welt letztendlich nur an der Nase herumführen? Welche Strategie verfolgt er?