Meurer: In Berlin haben gestern die Außenminister der UNO-Vetomächte zusammen mit Bundesaußenminister Frank-Walter Steinmeier den Konflikt um das Atomprogramm des Iran beraten. Tags zuvor hatte der UNO-Sicherheitsrat Teheran 30 Tage Zeit gegeben, die Anreicherung von Uran einzustellen. Aber was dann kommen soll bleibt offen. Was geschieht also, wenn der Iran nicht einlenkt, was sehr gut möglich zu sein scheint? Zu Sanktionen haben sich auch die Außenminister gestern in Berlin nicht geäußert. - Am Telefon begrüße ich den Staatsminister im Auswärtigen Amt und SPD-Bundestagsabgeordneten Gernot Erler. Das Echo auf die Außenministerkonferenz in Berlin ist etwas skeptisch, um es vorsichtig zu sagen. Worin sehen Sie den Erfolg des gestrigen Treffens?

Erler: Ich würde ja den Skeptikern gerne eine Frage stellen: Wäre es denn besser gewesen, wir wären näher heran an das Irakkrieg-Szenario gekommen, das nämlich mit Ultimaten, mit Drohungen und mit dem Hinweis auf die Gefährdung von Frieden begonnen hat und dann eine Eskalation produziert hat. Das ist vermieden worden und das ist letzten Endes ein gutes Ergebnis finde ich. Das Entscheidende ist, dass hier diese sechs Mächte beisammen geblieben sind, dass es auch jetzt dem Iran nicht gelungen ist, sie auseinander zu bringen, obwohl man ja genau weiß, dass sie unterschiedliche Auffassungen hatten. Immerhin hat es ja auch drei Wochen gedauert, bis sie sich verständigt haben. Das bedeutet aber, dass der Iran vor der Drohung steht, dass die ganze Welt sehen kann, wer hier eigentlich konstruktiv ist, wer eigentlich hier die Tür offen lässt und wer stur ist und sich auch verweigert. Das ist die Phase, die wir im Augenblick gerade haben.

Meurer: Wieso, Herr Erler, wollen Sie das militärische Szenario komplett ausschließen?

Erler: Ich glaube wirklich, dass wie so eine Art Menetekel hinter diesem ganzen Prozess hier die Erinnerung an 2002, 2003 steht, wo wir ja schon einmal eine solche Eskalation hatten, die eben dann in dem Irakkrieg geendet hat. Insofern glaube ich, dass man auch bei jeder Kritik das Bemühen sehen muss, eben ein solches Abrutschen in eine Situation, wo es ja keine Handlungsoptionen mehr gibt, zu vermeiden. Bisher finde ich machen das die Beteiligten, obwohl sie unterschiedliche Auffassungen haben, mit Erfolg.

Meurer: Aber ein Unterschied ist: Der Iran bastelt wirklich an der Bombe. Für wie groß halten Sie die Gefahr, die vom Iran ausgeht?

Erler: Dafür gibt es bisher keine Beweise. Das Problem ist: Der Iran hat 18 Jahre lang Programme gemacht, die er nicht, wie er es eigentlich hätte machen müssen, der IAEO in Wien, also der Internationalen Atomenergiebehörde, offen gemacht hat, die er nicht transparent gemacht hat, so dass wir gar nicht wissen, in welchem Status eigentlich seine Fähigkeiten sind. Die Hauptforderung ist ja, diese so genannte Suspension, also die Unterbrechung dieser Programme, jetzt vorzunehmen, um voll zusammen zu arbeiten mit Herrn el Baradei, um aufzuklären, was ist da eigentlich passiert, um das Vertrauen, was durch dieses Verhalten des Iran gebrochen worden ist, wieder herzustellen. Das ist ja eigentlich die Situation, aber niemand kann eben im Augenblick wegen dieser verdeckten Programme sagen, wie weit der Iran eigentlich ist, und das muss aufgeklärt werden.

Meurer: Befürworten Sie, Herr Erler, Sanktionen, wenn die 30 Tage vorbei sind und der Iran nichts tut?