Birke: So sehr und so gerne wir auch hierzulande über unser Gesundheitssystem und die ausufernden Kosten schimpfen und oder diskutieren, keine Frage: Deutschland zählt zweifelsohne zu den privilegierten Ländern auf der Welt, wenn es um medizinische Versorgung geht. 1,3 Milliarden Menschen haben nämlich weltweit keinen Zugang zu einer medizinischen Grundversorgung, wie die Weltgesundheitsorganisation WHO anlässlich des Weltgesundheitstages heute bekannt gab. In den "Informationen am Morgen" im Deutschlandfunk begrüße ich nun die Gesundheitsministerin Ulla Schmidt. Einen schönen guten Morgen Frau Schmidt!

Schmidt: Guten Morgen Herr Birke!

Birke: Frau Schmidt, verschärfen wir die Krise der Unterversorgung weltweit noch dadurch, dass wir qualifiziertes medizinisches Personal aus Entwicklungsländern abwerben?

Schmidt: Nein. Wir werben ja auch kein qualifiziertes Personal ab. Es gibt immer schon einen regen Austausch von Menschen oder Ärztinnen und Ärzten aus anderen Ländern, auch Pflegerinnen und Pflegern aus anderen Ländern. Das Ziel ist aber, dass man nach einiger Zeit auch wieder zurückgeht in die eigenen Länder. Das ist in der Regel auch bei denjenigen so, die Deutschland verlassen, die für eine begrenzte Zeit im Ausland arbeiten. Der größte Teil aller geht wieder in sein Heimatland zurück.

Birke: Müsste denn die Hilfe zur Entwicklung der Medizin in den unterversorgten Ländern nicht aufgestockt werden, wie das die Europaparlamentarier gestern nach einer Aussprache gefordert haben?

Schmidt: Ja, aber da sind wir auch immer mit dabei. Sie müssen einmal sehen, dass über den Haushalt meiner Kollegin Wieczorek-Zeul eine ganze Menge initiiert wird, auch an Unterstützung der gesundheitlichen Versorgung von Menschen in Entwicklungsländern. Denn eines ist klar: Der Zugang zur Bildung und der Zugang zur Gesundheit, das sind die grundlegenden Voraussetzungen dafür, dass Menschen sich dann auch frei entwickeln können, ihre eigene Existenz lernen sichern zu können und damit auch im Grunde genommen demokratische Strukturen aufbauen können.

Birke: Frau Schmidt, nun ist der Patient Gesundheitssystem in Deutschland selbst etwas angeschlagen. Die große Koalition hat sich ja gerade auf eine 16-köpfige Expertengruppe verständigt, die heute unter Ihrer Leitung das erste Mal tagt. Gestatten Sie mir vielleicht eingangs die Frage, ob Sie sich nun rehabilitiert fühlen, nachdem Sie ja bei der ersten Runde bei der Kanzlerin nicht dabei sein durften?