Meurer: Am Telefon begrüße ich den Ministerpräsidenten von Niedersachsen, Christian Wulff (CDU). Guten Morgen, Herr Wulff!

Wulff: Guten Morgen, Herr Meurer!

Meurer: Sie haben sich gestern ja gemeinsam mit der Bundeskanzlerin ein Bild von der Lage gemacht. Wie dramatisch und schwierig ist die Lage heute noch in Hitzacker und in anderen Orten?

Wulff: Wir rechnen heute, spätestens morgen mit dem Höchststand des Wasserpegels. Und dann wird das große Problem sein, dass enorme Wassermengen auf den Deich drücken, ihn möglicherweise aufweichen und dann unterspülen. Das könnte zu Überschwemmungen von Gebieten insbesondere östlich der Elbe Richtung Amt Neuhaus führen. Wir haben aber auch Probleme gegenüber der Stadt Dannenberg, dass dort Wasser überflutet. Wir müssen möglicherweise dort ein Krankenhaus und ein Altenheim evakuieren. Alles hat die Ursache in diesen Wassermengen, auf die wir immer noch nicht ausreichend vorbereitet sind. Beispielsweise sind von 50 Kilometern alter DDR-Deiche jetzt 37 Kilometer ertüchtigt. Die stehen auch. Die strahlen auch Sicherheit aus. Aber die 13 Kilometer, die noch im Bau befindlich sind, müssen jetzt gesichert werden durch Tausende Helfer, die dort überwiegend ehrenamtlich im Einsatz sind und eindrucksvoll arbeiten.

Meurer: Wo stehen die oder wo sind diese 13 Kilometer? Ist dies das Gebiet von Niedersachsen?

Wulff: Das ist das Gebiet von Niedersachsen. Das ist diese Gemeinde Amt Neuhaus, die 1993 sich entschieden hat, mit 92 von 92 Gemeinderatsvertretern zu Niedersachsen zu kommen, sich also auf die andere Seite des Bundeslandes, weil sie zur Provinz Hannover bis Ende des Zweiten Weltkrieges gehörte, geschlagen hat. Das ist Teil des Landkreises Lüneburg, Teil des Landes Niedersachsen und liegt uns natürlich besonders am Herzen, weil es hier zu einem Gemeindewechsel damals nach der Einheit gekommen ist.

Meurer: Warum sind die 13 Kilometer in den letzten Jahren nicht verbessert worden?