Engels: Offiziell ist die Gesundheitsreform zwischen SPD und Union nach wie vor heiß umstritten. Doch nun hat Unionsfraktionschef Volker Kauder in einem Interview erkennen lassen, wie ein Kompromiss zwischen der Gesundheitsprämie der Union und der Bürgerversicherung der SPD aussehen könnte. Danach zahlen die gesetzlich Versicherten nach wie vor einen Beitrag, der sich nach der Höhe ihres Einkommens richtet. Auch die Unternehmen zahlen einen etwas geringeren Arbeitgeberanteil. Nur fließen die Mittel nach diesem Modell nicht mehr wie bisher direkt an die gesetzlichen Krankenkassen, sondern in einen Gesundheitsfonds, der die Gelder dann verwaltet. Daraus sollen dann die Kassen eine einheitliche Pauschale pro Versichertem erhalten. Im Gespräch sind 150 bis 170 Euro pro Nase. Eltern müssen dabei für ihre Kinder nicht gesondert zahlen. Das soll aus einem Steuerzuschlag finanziert werden, den alle Steuerzahler in den Pool einzahlen.

Kauders Vorpreschen wurde von der SPD hart kritisiert. Ob das Modell also kommt, ist fraglich. Aber wäre es ein sinnvoller Ansatz? Wir fragen Hans Jürgen Ahrens, den Vorstandsvorsitzenden des AOK-Bundesverbandes. Guten Morgen!

Ahrens: Guten Morgen, Frau Engels!

Engels: In ersten Reaktionen zeigten sich die gesetzlichen wie die privaten Kassen unzufrieden mit dem Kauder-Entwurf. Was gefällt Ihnen denn daran nicht, Herr Ahrens?

Ahrens: Es sind drei Dinge, die uns nicht gefallen. Das erste ist diese Pauschale oder Prämie, wie immer man sie nennt. Wir gehen davon aus, dass das eine einseitige Belastung des Versicherten sein wird, denn wenn Kosten steigen oder Einnahmen, sinken, wird das über diese Prämie abgerechnet. Das heißt, man wird mit dem Geld nicht auskommen, das man dann bekommt. Also wird man eine erhöhte Prämie bei dem Versicherten abverlangen. Das heißt ,die gesamte zukünftige Entwicklung des Gesundheitswesens wird einseitig von dem Versicherten beziehungsweise dem Kranken getragen. Und das kann nicht richtig sein.

Engels: Da haken wir direkt mal ein. Sie sprechen diesen Aspekt an, dass laut Modell ein Teil der Beiträge, wenn es nicht ausreichen soll, noch mal nachverlangt werden kann. Die Kassen können also vom Einzelnen zusätzliche Prämien verlangen. Umgekehrt, wenn diese Kassen gut wirtschaften, dann könnte man auch einen Teil zurückzahlen. Haben Sie denn Sorge vor mehr Wettbewerb?

Ahrens: Nein, im Gegenteil. Wir sind ja gerade diejenigen, die den Wettbewerb fordern, und zwar nicht nur unter uns, sondern insbesondere auch unter den Ärzten und Krankenhäusern. Nur wir wissen eins: Das Gesundheitswesen wird teurer. Das weiß jeder. Das ist die demografische Entwicklung. Das ist die Tatsache, dass die Menschen älter werden.