Heckmann: Ob es wirklich stimmt, dass der Iran über leistungsfähigere Zentrifugen zur Anreicherung von Uran verfügt als gedacht und damit wesentlich schneller in den Besitz von Atombomben kommen könnte, zu diesen Berichten wird sicherlich im Report des Leiters der IAEO, El Baradei, etwas zu lesen sein, den er Ende des Monats dem UNO-Sicherheitsrat übergeben wird. So oder so stellt sich aber die Frage, wie soll die internationale Gemeinschaft auf die Herausforderung reagieren und wird überhaupt eine einheitliche Linie zu finden sein? In Moskau haben gestern Vertreter der fünf ständigen Sicherheitsratsmitglieder und Deutschlands über das weitere Vorgehen beraten, bisher allerdings ohne Ergebnis.

Am Telefon ist jetzt Jean Asselborn. Er ist der Außenminister und Vizepremier Luxemburgs. Guten Morgen!

Asselborn: Guten Morgen, Herr Heckmann!

Heckmann: Herr Asselborn, wie sehen Sie das? Wie groß ist die Gefahr, dass sich Russland, China und der Westen auseinanderdividieren lassen vom Iran?

Asselborn: Ganz klar: Ich glaube, der Weltfrieden verträgt ja keine militärische Lösung im Iran. Das weiß man hüben wie drüben. Das wäre eine Katastrophe. Aber der Iran, ausgestattet mit einer Atombombe, könnte zurzeit eine Gefahr für den Weltfrieden darstellen, weil die Führer Fanatismus, Hass und Intoleranz predigen und das auch dann umsetzen werden.

Ich glaube, dass die EU die große Weitsicht hat, den Iran zum politischen Dialog, zum wirtschaftlichen Dialog einzuladen. Der Iran hat zurzeit jedenfalls abgeschlagen. Es führt kein Weg an der internationalen Solidarität vorbei. Sie haben es angesprochen: In den P5 gibt es einen, der treibt. Es gibt zwei, die das Gegenteil tun. Bleiben noch die zwei Europäer plus Deutschland, die EU3, und die haben die Aufgabe zusammenzuhalten. Ich glaube, dass am 28. 4. nicht viel Brauchbares geschehen wird. Ich hoffe noch immer, dass wirklich China und Russland zu der internationalen Solidarität stehen und dass wir in der Europäischen Union, die drei Länder, zusammenstehen und auch die Amerikaner vor einer Katastrophe bewahren.

Heckmann: Dialog ist gut und schön. Dagegen hat sicherlich niemand etwas einzuwenden, wenn dieser Dialog dem Iran weiterhin auch angeboten wird. Aber stehen die Zeichen jetzt nicht mittlerweile auch auf Androhung von Sanktionen, und da scheinen ja Moskau und Peking weiterhin nicht mitziehen zu wollen?