Heinlein: Ergebnislose Verhandlungen, Weltsicherheitsrat, eine Frist und nun vielleicht sogar Sanktionen und die Androhung militärischer Gewalt. Immer mehr gleicht der iranische Atomkonflikt der Eskalation im Vorfeld des Irak-Krieges. Heute endet die Frist des Weltsicherheitsrates, doch aus Teheran gibt es bislang kein Signal des Einlenkens.

Martin Ebbing, Sie sind in der iranischen Hauptstadt. Kann der Präsident doch noch in letzter Minute einlenken, ohne sein Gesicht zu verlieren?

Ebbing: Nein, das kann er ohne Zweifel nicht und das will er auch gar nicht, abgesehen davon, dass er auch der Präsident nicht derjenige ist, der diese Entscheidung trifft. Ahmadenidschad hat in den letzten Tagen immer wieder, wenn sich ihm die Gelegenheit bot, unterstrichen, dass es für den Iran keinerlei Grund gibt, sich dem Ultimatum der Internationalen Atomenergiebehörde zu unterwerfen. Er hat sogar in Frage gestellt, ob man mit diesen Leuten überhaupt noch verhandeln will, denn in der Vergangenheit, so Ahmadenidschad, hat die Atomenergiebehörde nie etwas für den Iran getan. Warum solle man jetzt sich kooperativ zeigen. Also er hat auch in Aussicht gestellt, dass man die Beziehungen gegeneinander und miteinander einfrieren wird.

Man muss dazu sagen, Ahmadenidschad ist in diesem Land nicht der Mann, der die Politik in dieser Frage allein bestimmt. Da gibt es andere, einen ganzen Club von Honoratioren, die zusammensitzen und die allgemeine Linie miteinander diskutieren und dann entscheiden. Ahmadenidschad ist derjenige, der die scharfen Töne ausspricht.

Heinlein: Wie groß, Herr Ebbing, ist denn die Unterstützung der iranischen Öffentlichkeit für den harten Kurs ihres Präsidenten und der übrigen Nomenklatura?

Ebbing: Sie schmilzt, aber sie ist immer noch groß genug, so dass das Regime sagen kann, wir agieren im Namen des iranischen Volkes. Man muss sagen, dass da verschiedene Faktoren miteinander vermischt werden. Da ist zum einen die nationale Frage, und so wird eigentlich auch das Thema Atomenergie in diesem Lande diskutiert. Die Medien in diesem Lande haben seit Jahren, muss man schon sagen, immer wieder betont, es geht um unser unveräußerliches Recht auf Atomenergie. Und Atomenergie ist etwas, was den wirtschaftlichen Aufschwung dieses Landes gewaltig nach vorne bringen würde. Und der Westen, die bösen Kräfte zumindest im Westen, wollen uns dies verweigern und uns damit rückständig halten. Das ist etwas, was wohl die Mehrheit der Bevölkerung mehr oder weniger tatsächlich auch teilt, weil es gar keine Alternative dazu gibt, weil man ihnen nie gesagt: Ist denn Atomenergie wirklich so ein wichtiger Faktor in der wirtschaftlichen Entwicklung, welche negativen Konsequenzen kann Atomenergie haben? Das wird alles in diesem Lande nicht diskutiert.

Nun zeichnet sich ab, dass es zu einer Konfrontation mit dem Westen kommen könnte. Da gibt es schon mehr und mehr Leute, die Bedenken haben und sagen, muss das denn wirklich sein. Aber die Mehrheit ist nach wie vor auf dem Kurs der Regierung.