Müller: Der militärische Einsatz im Kongo. Er ist immer noch nicht unter Dach und Fach. Das Kabinett muss ihn billigen, dann auch noch der Bundestag. Fest soll jetzt immerhin stehen der Wahltermin, der 30. Juli. Gleich mehrfach ist der Urnengang verschoben worden. Der Grund: logistische und organisatorische Schwierigkeiten, wie es heißt. Nach 45 Jahren Bürgerkrieg und Unruhen, Mord, Plünderungen, Vergewaltigungen soll nun der Frieden einziehen in diesem großen rohstoffreichen afrikanischen Land, auch mit Hilfe der UN-Friedenstruppe und der europäischen Kontingente, die unter deutscher Führung stehen. Zahlreiche Militärexperten und auch deutsche Generäle haben aber ernsthafte Zweifel daran, ob der geplante Einsatz tatsächlich das gesteckte Ziel erfüllen kann.

Am Telefon ist jetzt der CDU-Außenpolitiker Karl-Georg Wellmann, gerade aus Kinshasa, aus der Hauptstadt des Kongos, zurückgekehrt. Guten Morgen!

Wellmann: Guten Morgen, Herr Müller!

Müller: Herr Wellmann, haben Sie ein Land kennen gelernt, das in naher Zukunft richtig regiert werden könnte?

Wellmann: Das ist eine Frage, die wir alle hoffen, dass es so ist, aber die Ihnen niemand ganz genau beantworten kann. Wir waren ja auch nur in der Hauptstadt Kinshasa und nicht in dem restlichen Landesteil. Den zu bereisen, würde ja Wochen und Monate dauern.

Müller: Welchen Eindruck haben Sie gehabt ob der Entschlossenheit der Bevölkerung, auch der führenden Politiker, der Elite, es diesmal tatsächlich zu einem demokratischen Regime, zu einem demokratischen System kommen zu lassen?

Wellmann: Wir haben von allen erfahren, auch zum Beispiel von dem Bischof von Kinshasa, dass die Bevölkerung großes Interesse an dieser Wahl hat. Es haben sich ja von den 27 Millionen Wahlberechtigten 25 Millionen im ganzen Land registrieren lassen, eine sensationell hohe Zahl. Ich glaube, die Bevölkerung will die Wahlen. Sie will transparente und faire Wahlen nach diesen jahrzehntelangen schlimmen diktatorischen Zuständen, die dort herrschten.