Heinlein: Russland, die USA und China: Angela Merkel ist in diesen Wochen auf Tournee bei den internationalen Großmächten. Nach dem Treffen mit Wladimir Putin in Sibirien folgt heute ein Abendessen im Weißen Haus und Ende des Monats dann der Besuch in Peking. Hauptthema allerorten ist der iranische Atomkonflikt. Die Kanzlerin versucht zu vermitteln. Die verbesserten Drähte nach Washington sollen genutzt werden, um Alleingänge der USA zu verhindern. Keine einfache Aufgabe, denn George Bush drängt auf eine härtere Gangart.

Bei mir am Telefon ist nun der Direktor des Informationszentrums für transatlantische Sicherheit, Ottfried Nassauer. Guten Tag!

Nassauer: Guten Tag, Herr Heinlein!

Heinlein: Zum zweiten Mal in diesem Jahr bereits ein Merkel-Besuch in Washington. Wir haben es gerade gehört. Ist die Kanzlerin politisch bereits eine gute Freundin des Präsidenten?

Nassauer: Ob sie eine gute Freundin ist, kann ich nicht beurteilen, aber er bemüht sich auf jeden Fall, dieser Kanzlerin ein klareres Signal der kontinuierlichen Zusammenarbeit zu geben als Herrn Schröder in der letzten Legislaturperiode.

Heinlein: Wie wichtig ist es denn, dass es diese persönliche Begegnung gibt zwischen Merkel und Bush? Gibt es Dinge, die man nicht am Telefon bereden kann?

Nassauer: Die Tatsache, ob das symbolisch ist, kann man auf jeden Fall mit ja beantworten. Es ist ein Zeichen dafür, dass auch Bush an stärkerer Zusammenarbeit mit Deutschland wieder interessiert ist. Man könnte die Sachen zwar theoretisch auch am Telefon bereden, aber die direkten persönlichen Kontakte werden doch immer noch ziemlich hoch und wertig geschätzt.