Remme: Seit Wochen wird in den Universitätskliniken dieses Landes gestreikt und Ende vergangener Woche schien Bewegung in diesen verhärteten Tarifkonflikt zu kommen. Die Ärzte, sie wollen eine Lohnsteigerung in Höhe von 30 Prozent und vor allem bessere Arbeitsbedingungen. Lange Zeit standen diese beiden sich unversöhnlich gegenüber. Dann hat man Freitag und Samstag in einer Art Marathonsitzung 26 Stunden lang mit kurzer Pause verhandelt und schien kurz vor einem Ergebnis zu sein. Dann doch der Abbruch der Verhandlungen mit einer Vertagung auf Dienstag und gleichzeitig eine massive Ausweitung in einigen Universitätskrankenhäusern, darunter die Uniklinik Freiburg.

Am Telefon ist jetzt der ärztliche Direktor der Uniklinik, Mathias Brandis. Ich grüße Sie Herr Brandis!

Brandis: Guten Morgen Herr Remme!

Remme: Herr Brandis wie ist denn die Situation in Ihrem Haus heute Morgen?

Brandis: Wir erwarten die Ausweitung des Streiks, die noch deutlich über das hinaus geht, was wir in den letzten acht Wochen schon erlebt haben, dass gesamte OP-Programme nicht durchgeführt werden können, dass auch nichtoperative Fächer massiv bestreikt werden, dass die Ambulanzen nicht bedient werden, so dass wir noch mehr als vorher geplante Operationen auf der einen Seite, aber auch Ambulanztermine absagen müssen und die Leute zum Teil nach Hause schicken müssen.

Das hat nicht nur ganz erhebliche wirtschaftliche Konsequenzen, sondern führt auch, wie man verstehen kann, zu Vertrauensverlust bei der Bevölkerung, die es gar nicht mehr versteht, worum es geht. Sie hat meines Erachtens auch Verständnis für die durchaus nicht unberechtigten Forderungen der Ärzte, eine Anpassung der Gehälter zu erwirken. Auf der anderen Seite versteht sie die Zusammenhänge sehr wenig. Wir sind ja in einer Situation als Klinikumsvorstände, dass wir gar nicht verhandeln. Wir sind nicht zuständig. Zuständig sind die Länder, vertreten durch den Verbund deutscher Länder, die mit dem Marburger Bund verhandeln. Was immer die aushandeln und was an zusätzlichem Geld herauskommt, müssen die Kliniken bezahlen, aber die verantwortlichen Leitungen der Kliniken verhandeln nicht selber.

Remme: Ich sagte es: Am Samstag war man einer Einigung offenbar sehr nah. Wie bewerten Sie diesen Abbruch, die Vertagung der Gespräche?