Heinlein: Große Kröten in der großen Koalition, so Christian Wulff. Am Ende hat sie auch der niedersächsische Ministerpräsident geschluckt. Die Aufregung um das Antidiskriminierungsgesetz der Bundesregierung endete im CDU-Präsidium schließlich friedlich. Gleich vier unionsgeführte Bundesländer hatten zuvor die Überarbeitung des Gesetzes verlangt, doch in trauter Runde verließ die Ministerpräsidenten offenbar der Mut, und man verzichtete auf die offene Konfrontation mit dem Koalitionspartner. Doch schon deutet sich neues Ungemach an. Edmund Stoiber will die Integration von Ausländern notfalls auch mit Sanktionen erzwingen. Ein Vorschlag, der von der SPD als Stammtischparole abgetan wird. Das Verhandlungsgeschick von Angela Merkel wird also schon bald vor dem geplanten Integrationsgipfel im Juni gefordert sein. Und darüber möchte ich jetzt sprechen mit dem Ministerpräsidenten von Sachsen-Anhalt, Wolfgang Böhmer (CDU). Guten Morgen!

Böhmer: Guten Morgen, Herr Heinlein!

Heinlein: Herr Böhmer, der Koalitionskrach scheint vorerst abgewendet. So sieht es aus. War die Aufregung um das Antidiskriminierungsgesetz nur ein Sturm im Wasserglas?

Böhmer: Nein, aber ich habe zur Kenntnis genommen, dass einige Kollegen sich schon öffentlich geäußert haben, bevor sie sich Einzelheiten über die Koalitionsrunde und die Gesprächsführung haben berichten lassen. Wenn man über ein Ergebnis urteilt, an dessen Zustandekommen man nicht beteiligt war, wo man selbst nur aus den Medien erfahren hat, was herausgekommen ist, ohne die Einzelheiten zu kennen, dann muss man auch damit leben, dass man manches hinterher anders sieht, nachdem man sich sachkundig gemacht hat. Das war offensichtlich auch so, weshalb ich es persönlich vorgezogen habe, mich öffentlich erst dann zu äußern, nachdem ich Einzelheiten in Erfahrung bringen konnte.

Heinlein: Was schlussfolgern Sie denn daraus, dass einige Ihrer Kollegen sich so vorschnell geäußert haben?

Böhmer: Dass es besser ist, sich erst einmal zu erkundigen und die Einzelheiten erzählen zu lassen, bevor man sich eine eigene Meinung bildet und öffentlich urteilt.

Heinlein: Wie groß war denn dann im CDU-Präsidium gestern die Aufregung über das Antidiskriminierungsgesetz? Angeblich, so heißt es in Berichten, wurde ja lautstark diskutiert.