Liminski: Harmonie in der SPD: Es lebe der König. Auch die Kritiker sind weitgehend verstummt. Zu ihnen gehörte vor dem Parteitag auch der Vorsitzende der Jungsozialisten Björn Böhning. Ihn haben wir kurz nach dem Parteitag ans Telefon bekommen. Einen Gruß aus Köln, Herr Böhning!

Böhning: Schönen guten Tag!

Liminski: Herr Böhning, sind Ihre Befürchtungen alle zerstreut? Geht es wieder aufwärts mit der SPD?

Böhning: Ich glaube wir haben in der Tat einige Dinge zurecht gerückt. Wir haben deutlich gemacht, dass wir bei der Steuerpolitik eine zusätzliche Einnahmequelle für den Staat brauchen, um in Bildung und Forschung zum Beispiel zu investieren, und wir haben deutlich gemacht, dass wir das mit höheren Erbschaftssteuern wollen, dass wir die Gewerbesteuer halten wollen und dass wir bei der Unternehmenssteuer keine reale Senkung der Unternehmenssteuern wollen. Insofern bin ich sehr zufrieden mit dem, was erreicht wurde. Unsere Kritik ist gehört worden.

Liminski: Sie haben vor dem Parteitag auch von einem Burnout-Syndrom der SPD gesprochen. Es fehle an einer modernen Kapitalismuskritik. Der Partei sei das Koordinatensystem für ihr politisches Handeln verloren gegangen. Das war harter Tobak. Ist mit dem neuen Steuermann das Koordinatensystem wieder in Ordnung? Ist die Katerstimmung vorbei?

Böhning: Ich glaube Kurt Beck steht für das Profil einer linken Volkspartei und will die SPD auch wieder zu einer linken Volkspartei machen. Das hat er angekündigt und da erwarte ich mir von ihm eine ganze Menge in Bezug auf die Programmatik. Aber als ersten Schritt muss es sein, dass wir eine ordentliche Wahlanalyse brauchen. Wir müssen die letzten Wahlen, vor allem die verlorenen Wahlen, vielleicht aber auch die gewonnenen Wahlen in Rheinland-Pfalz ehrlich auswerten, eine grundlegende Diskussion in der Partei darüber führen, wie unser zukünftiger programmatischer Weg sein soll. Da ist wie gesagt der erste Schritt eine Wahlauswertung der letzten Jahre, denn es hat sich ja doch gezeigt, dass die große Mehrheit der Bevölkerung solidarische Reformen will und keine entsolidarischen Reformen. Das muss bei den nächsten anstehenden Debatten auch berücksichtigt werden.

Liminski: Sie sind mit Kurt Beck offenbar ganz zufrieden. Wäre Beck denn auch Ihr Kandidat für die Kanzlerwahl?