Heckmann: Herr Pleitgen, hatten Sie genug Anlass zum Lachen?

Pleitgen: Ja, natürlich habe ich gelacht. Ich war allerdings insgesamt schon ein bisschen angespannt, ich hatte die erwähnten kontroversen Darstellungen in den Feuilletons gelesen und nun mir vorgenommen, davon unbeeinflusst mir das anzuschauen, sehr aufmerksam dabei zu sein. Diese Kontroversen werden ja heute noch fortgesetzt. Der Film wird in der "FAZ" etwa gönnerhaft verrissen und in der" Süddeutschen Zeitung" wohlwollend behandelt. Was ist meine Meinung? Ich war am Ende doch sehr angetan, wie es Dani Levy gelungen ist, dieses Wagnis nun durchzustehen. Sie hatten es ja vorhin gesagt, es ist ja die Frage gestellt worden, ob man über Hitler lachen kann. Die Menschen haben ja schon damals in der Nazizeit über ihn gelacht, leider konnten sie es nur heimlich tun, weil ihnen sonst möglicherweise ein Garaus bereit worden wäre. Ich finde den Film sehr gut. Warum? Ich wusste, es ist ein Wagnis, Dani Levy hat da Neuland betreten. Wir haben im WDR uns in zig Sendungen mit Hitler auseinandergesetzt, aber nie auf diese Art und Weise. Und Helge Schneider den Hitler ausgesprochen gut gespielt, Ulrich Mühe als der Gegenspieler war auch eine starke Besetzung. Es ging ja darum, diesen Rassenwahn der Nazis zu entlarven, ihre Überheblichkeit, ihr Überlegenheitsgefühl, das wurde ja in das Gegenteil verkehrt, und das ist in diesem Film gelungen, da ist diese Primitivität und Perfidität oder auch Amoralität und Kriminalität dieses Regimes auf eine sehr eindrucksvolle Weise bloßgestellt worden.

Heckmann: Der Geschäftsführer der Filmstiftung NRW meinte, der Film sorge durchaus auch für Beklemmung, man gehe aus dem Film doch nachdenklich hinaus. Ist Ihnen das auch so ergangen, oder ist der Film dann doch eher an der Oberfläche geblieben?

Pleitgen: Ja, natürlich. Ich meine, man merkte natürlich schon dem Film an, Dani Levy hat sich immer bemüht, nun das nicht in eine einzige und völlige oder, um einen Begriff aus der Nazizeit zu benutzen, totale Clownerie entgleisen zu lassen. Er hat immer wieder nach moralischen Streben gesucht. Und dabei ist natürlich auch sehr viel Nachdenklichkeit erzeugt worden, vor allen Dingen das Ende, wo der Jude Grünbaum nun Hitlers Rede spricht, aber ihn am Ende dann völlig entlarvt vor diesen Millionen, eine Million Menschen sollten angeblich dort zusammengebracht worden sein für Hitlers große Abschlussrede, dann doch entlarvt. Dafür wird er umgebracht. Alleine schon dieses Ende sorgt für große Nachdenklichkeit, zwischendurch auch.

Heckmann: Ein Anklang im Übrigen an den Film von Charlie Chaplin.

Pleitgen: Ja, ich will Ihnen sagen, diese Vergleiche mit Chaplin, Lubitsch, diese Filme sind ja zu anderen Zeiten entstanden, da sind natürlich Elemente übernommen, auch von Brecht. Klar, das wird immer wieder gemacht, aber es ist ein Dani-Levy-Film, und ich habe vollkommen den Eindruck gewonnen, dass das Publikum diesen Film richtig verstanden hat. Ich habe heute in der Zeitung gelesen, na ja, vielleicht kann man zweieinhalb Mal lachen. Das Publikum hat viel öfter gelacht, ist aber auch sehr nachdenklich aus diesem Film herausgekommen, und deshalb bin ich davon überzeugt, dass es hier gar keine Missverständnisse gegeben hat.

Heckmann: Aber, Herr Pleitgen, Helge Schneider hat sich vom Film distanziert, sein Hitler komme nach dem Schnitt des Films viel zu harmlos daher, nämlich als Schwächling, das sei ihm viel zu profan. Der Filme reiße außerdem nichts mehr auf, so seine Formulierung. Können Sie seiner Kritik etwas abgewinnen?