Spengler: Herr von Klaeden, US-Präsident hat Fehlentscheidungen in der Vergangenheit eingeräumt. Wo wir schon bei Selbstkritik sind, bedauern Sie es im Nachhinein, dass die Union vor vier Jahren nicht eindeutiger "Nein" zum Irakkrieg gesagt hat?

Von Klaeden: Wir haben damals darauf hingewiesen, dass die Entwicklung in der Weltöffentlichkeit, nämlich zu versuchen, Europa als ein Gegengewicht zu den Vereinigten Staaten zu etablieren und damit auch die Vereinten Nationen zu schwächen, falsch war und zu einer verhängnisvollen Logik führen kann, die zu einem Krieg führt, und mit dieser Kritik fühlen wir uns bestätigt.

Spengler: Aber es bleibt ein Verdienst des Kanzlers Schröder, uns da rausgehalten zu haben, oder?

Von Klaeden: Andererseits hat er den Krieg nicht verhindern können, und wenn Sie überlegen, wie das transatlantische Verhältnis damals geschwächt worden ist und wie auch vor allem Europa gespalten worden ist, dann kann man, meine ich, seine damalige Politik nicht als Erfolg bezeichnen. Aber ich finde, wir sollten doch jetzt nach vorne schauen und uns überlegen, wie die Lage im Irak verbessert werden kann, denn der Irak grenzt unmittelbar an die Türkei, unseren Bündnispartner in der NATO. Das heißt, unsere eigenen Sicherheitsinteressen sind erheblich auch beeinflusst durch die Lage im Irak.

Spengler: Da haben Sie es mir abgenommen und für eine elegante Überleitung gesorgt, Herr von Klaeden. Hat Sie das überzeugt, was Präsident Bush heute gesagt hat?

Von Klaeden: Ich finde jedenfalls, dass es eine Reihe positiver Ansätze gibt.

Spengler: Welche?