Heuer: Schlimme Sorgen hat die Große Koalition - schon wieder. Diesmal hat sie zu viel Geld. Allein bei der Bundesagentur für Arbeit droht ein Überschuss von knapp zehn Milliarden Euro, und aus den Steuertöpfen kommen noch einmal einige Milliarden dazu. Wohin mit all dem Geld, soll man damit Schulden abbauen, Staatsaufgaben finanzieren oder es am Ende doch lieber den Bürgern zurückgeben? Darüber möchte ich jetzt mit dem Chef der IG Metall sprechen. Guten Morgen, Jürgen Peters!

Peters: Schönen guten Morgen!

Heuer: Wohin mit dem vielen Geld, wenn wir mit den BA-Mitteln einmal anfangen, Herr Peters, wie würden Sie die verwenden?

Peters: Ja, zunächst einmal muss man die Aufgabenstellung der Bundesanstalt genauer mal unter die Lupe nehmen. Da sind in den letzten Monaten Kritiken hochgekommen, die ich für berechtigt halte, dass nämlich die BA bestimmte Arbeitsmarktmittel, Arbeitsmarktpolitiken nicht mehr durchgeführt hat. Und wir sagen, es muss hier wieder Geld angepasst werden, damit Arbeitslosigkeit bekämpft wird. Das sind zum Beispiele Dinge, wo Beschäftigungsprogramme finanziert werden können. Wir sehen hier die absolute Notwendigkeit bei 4,5 Millionen Menschen, die arbeitslos sind, die arbeiten wollen, mal neue Wege zu gehen, und die Finanzmassen, die jetzt angeblich so sprudeln, sind dafür einzusetzen.

Heuer: Dann halten Sie es also mit Franz Müntefering und dem Parteivorsitzenden der SPD, mit Kurt Beck, die sagen, der Staat soll das Geld ausgeben, zum Beispiel eben für die Arbeitsmarktförderung, das ist Ihre Position auch?

Peters: Sehen Sie mal, dafür ist das Geld ja eingesammelt worden. Wir haben die Arbeitslosenversicherung ja nicht gemacht, damit dort ein Sparstrumpf angeschafft wird, sondern damit Arbeitslosigkeit bekämpft wird. Und wenn jetzt jemand, und das sind ja nun über vier Millionen Menschen, unverschuldet in die Arbeitslosigkeit abgedrängt wird, dann muss der Staat über die Bundesanstalt oder die Bundesanstalt von sich aus auch tätig werden, um hier Hilfe zur Selbsthilfe zu organisieren. Wir müssen wieder neue Wege suchen in der Arbeitsmarktpolitik. Jeder Arbeitslose, der von der Straße kommt, ist eine bessere Alternative, als das Geld jetzt beispielsweise in Beitragsrückerstattungen zu organisieren.